Blond, geschniegelt, mit stahlblauen Augen und einem Dauergrinsen, das irgendwo zwischen Nachrichtensprecher und Wahnsinn pendelte – 1985 flimmerte Max Headroom erstmals über die Bildschirme. Angeblich "der erste computergenerierte Fernsehmoderator". In Wahrheit: ein genialer Bluff.
Erfunden wurde die Kunstfigur von den britischen Kreativen Annabel Jankel und Rocky Morton für den Sender Channel 4. Gesucht war ein neuer Anchorman für eine Musikclip-Show – heraus kam ein stotternder, überdrehter Medien-Zyniker im Plastikanzug. Der Clou: Max war gar kein Computerwesen.
Hinter der Latexmaske steckte der kanadische Schauspieler Matt Frewer. Vier Stunden Maske, Haferbrei im Gesicht, blaue Kontaktlinsen und eine Latexperücke verwandelten ihn in den "Mann aus Bits und Bytes".
Nur der geometrische Hintergrund war tatsächlich digital – programmiert auf einem Commodore Amiga. Für die 80er: Hightech pur.
Seinen großen Auftritt hatte Max im TV-Film "Max Headroom: 20 Minutes into the Future". Darin entsteht er aus den Hirnströmen des Reporters Edison Carter – nach einem Motorradunfall vor einem Parkhausschild mit der Aufschrift "Max. Headroom 2.3 m".
Ein Name war geboren. Ironisch genug für eine Figur, die alles besser zu wissen schien – und doch hohl klang.
Später folgte die Serie "Max Headroom" – eine Cyberpunk-Dystopie, beherrscht von Fernseholigarchen. Max, der arrogante Medienclown, kommentierte bissig das System, das ihn erschaffen hatte. Satire auf das Fernsehen der 80er – schneller, lauter, schriller.
Sogar als Werbegesicht für Coca Cola war er im Einsatz. "Catch the wave!" säuselte der Plastik-Prophet – und die Welt glaubte ihm fast, er sei echt digital. Der Hype ging so weit, dass 1987 ein Unbekannter im Max-Kostüm ein US-TV-Signal kaperte – das legendäre "Max-Headroom-Incident". Kultstatus: zementiert.
Und heute? Max taucht immer wieder als Retro-Phänomen auf, hatte einen Cameo in "Pixels" und gilt als früher Vorbote unserer Avatar- und KI-Welt.
Damals war er eine Illusion. Heute wäre er vermutlich Influencer mit Millionen-Followern.