In der U-Bahn lauert mehr Feinstaub als im Auto

CO2 sparen, dafür aber Feinstaub einatmen? Das ist der Fall in manchen U-Bahn-Linien in Wien. Das besagt eine neue Studie.
Die Wiener U-Bahn ist positiv für den Klimaschutz, hilft beim Sparen von CO2. Allerdings ist in den Waggons mitunter die Feinstaubbelastung recht hoch, berichtet "Addendum".

Wiener Forscher erhoben zum Vergleich die Daten einer Beispielstrecke im Norden Wiens – von der Nussdorfer Straße nach Floridsdorf – in mehreren Verkehrsmitteln. Somit ermittelten sie die Belastung bei U-Bahn, Straßenbahn, Bus, Auto und Fahrrad. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Belastung auf dieser Strecke fiel in der U-Bahn am höchsten aus.



Abrieb

Doch warum ist das so? Wie "Addendum" berichtet, könnte die Belastung auf mangelnde Isolation in den Waggons zurückzuführen sein. Bei Garnituren mit geöffneten Fenstern war die Konzentration höher als in klimatisierten Waggons. Denn die die Luft kann auf diese Weise ungehindert in die Innenräume vordringen.

Der Feinstaub löst sich in den Tunnelabschnitten, je tiefer die U-Bahn unter der Erde fährt, desto höher entfallen die gemessenen Werte. In U1 und U3 wurden aus diesem Grund die höchsten Werte gemessen.



Wiener Linien schweigen

Wie oder ob diese Partikel als gesundheitsgefährdend eingestuft werden sollten, hängt laut den Experten von der chemischen Zusammensetzung ab. "Verbrennungs- und Kondensationsteilchen aus Kraftfahrzeugen sind wesentlich toxischer als Erosionsstaub oder Schienen- bzw. Radabrieb", so Manfred Neuberger, Ordinarius für Umwelthygiene an der Medizinischen Universität gegenüber "Addendum". Er ist Co-Autor der Studie.

Heißt das nun, dass Wiens Pendler auf PKWs wechseln sollten, um ihre Gesundheit zu schützen? Mitnichten. Die Feinstaub-Belastung für die Gesellschaft insgesamt würde steigen – auch dann, wenn sich der Autofahrer selbst in gefilterter Luft aufhält.

Und was sagen die Wiener Linien dazu? Sie wollten auf "Addendum"-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Gegenüber "Heute" gibt es aber eine Antwort. Und die fällt sehr ausführlich aus:

Als Wiener Linien tragen wir zentral dazu bei, dass die Luftgüte in Wien so hervorragend ist. Wien hat im letzten Jahr zum 8. Mal in Serie die EU-Grenzwerte eingehalten, auch die noch strengeren österreichischen Grenzwerte unterschreitet Wien seit Jahren! Das Jahr 2019 war überhaupt das beste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – also mit den niedrigsten Feinstaubbelastungen aller Zeiten seit Messung. Der so gut ausgebaute öffentliche Verkehr und das attraktive Angebot von 1 Euro am Tag durchs ganze Netz tragen entscheidend dazu bei. Gemessen wird der Feinstaub laut strengen EU-Vorgaben in einem dichten Luftgütemessnetz der MA 22, das über das ganze Stadtgebiet verteilt ist und EU-Normen entspricht. Die Messungen erfolgen regelmäßig und werden auch publiziert. Für Innenräume gibt es keine Grenzwerte! Fakt ist aber, dass Innenräume und Autokabinen oft viel höherer Feinstaubbelastung aufweisen als die Luft im Aussenbereich, auf den Straßen. Am ärgsten ist die Belastung übrigens in Räumen, in denen geraucht wird – was in Zeiten des überfälligen Rauchverbots zumindest in der Gastronomie glücklicherweise Geschichte ist.



Hauptproduzenten von Feinstaub bleiben die Industrie, Haushalte durch heizen und der motorisierte Verkehr. Dieser verursacht Feinstaub durch Brems- und Reifenabrieb sowie Aufwirbelung von Feinstaub. Die Stadt Wien forciert den weiteren Ausbau der Öffis, um noch mehr Menschen in die Öffis zu bringen. Schon heute ist die Situation – genauer gesagt der Modal Split – erfreulich, fahren doch zwei Drittel aller WienerInnen mit den Öffis, gehen zu Fuß oder fahren mit dem Rad.



Zwei Drittel des Wiener Feinstaubs sind laut einer Studie der TU Wien nicht hausgemacht, sondern kommen durch Ferneintrag nach Wien. Die Stadt Wien setzt seit vielen Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen, um den hausgemachten Feinstaub weiter zu reduzieren (Öffi-Ausbau, Parkraumbewirtschaftung, Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge, thermische Wohnhaussanierung, umweltfreundliche Baustellen, Ausweitung der Fernwärmenutzung, Umstellung des Winterdiensts auf Salzsole statt Streusplitt und vieles mehr).



Die Wiener Linien setzen ebenfalls zahlreiche Maßnahmen, um den Feinstaub noch weiter zu reduzieren, z.B. durch Reduzierung von Bremssandeinsatz und durch die laufende und intensive (Nass-)Reinigung von unseren Fahrzeugen und Stationen. In den 109 Wiener U-Bahn-Stationen werden bei den Lüftungsanlagen jeweils 3x jährlich ein Lüftungsservice und Inspektionen durchgeführt. Zusätzlich werden alle fünf Jahre sämtliche Lüftungskanäle in allen 109 U-Bahn-Stationen intensiv gereinigt, um damit die Luftqualität in den Stationen weiter zu heben.



Zudem investieren die Wiener Linien seit vielen Jahren in die Modernisierung des Fuhrparks. So wurde seit 2012 die komplette Busflotte durch neue, moderne und umweltfreundliche Busse ersetzt, die mit Klimaanlagen und modernster Lüftungstechnik ausgerüstet sind. Bei diesen Fahrzeugen können die Fenster auch nicht mehr geöffnet werden, um den Luftaustausch mit der Straßenluft zu minimieren. Auch bei Straßenbahnen (neue Flexity-Bim) und U-Bahn (durchgängiger U-Bahn-Züge für die Linien U1-U4 und neue Züge für die U6 inkl. Umrüstungsprogramm für die ältere Generation mit Klimaanlagen) wird der Fuhrpark laufend erneuert.



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