Zwei starke Erdbeben haben am 24. Juni das südamerikanische Land erschüttert: 3.300 Menschen sind tot, es gibt mehr als 16.000 teils Schwerverletzte. Zahlreiche Rettungsteams sind noch immer in den Trümmern im Einsatz. Für viele Opfer kommt jede Hilfe zu spät, aber es gibt immer noch Wunder.
Fabiana Blanco (12) war alleine zuhause, als plötzlich die Wände um sie herum einstürzten und sie unter Schutt und Asche begruben. "In diesem Moment dachte ich: 'Ich werde sterben. Das werde ich nicht überleben. Niemand wird mich retten'", erzählt Fabiana. Von an da an begannen die 32 qualvollsten Stunden ihres Lebens.
Ihr Mutter Karina, die zum Zeitpunkt des Erdbebens nicht daheim gewesen war, fand das Haus völlig zerstört vor. Während das Mädchen eingequetscht unter den Trümmern ihres eigenen Hauses lag, musste sie annehmen, dass ihre Tochter bereits tot war.
Nach einiger Zeit hörte Fabiana die Hilferufe der ebenfalls eingeschlossenen Pflegekraft der Nachbarn im Obergeschoss. Das Mädchen machte sich bemerkbar: "Sie sagte mir, ich solle ruhig bleiben und dass alles gut werden würde". Sechs Stunden nach dem Erdbeben wurde die Pflegerin gerettet. Sie machte das Rettungsteam darauf aufmerksam, dass zwischen den Trümmern noch eine Überlebende war.
Karina Blanco schöpfte wieder neue Hoffnung. Sie rannte zurück zu den Überresten ihres Hauses und schrie mehrmals den Namen ihrer Tochter. Keine Antwort.
Währenddessen lag Fabiana unter den Trümmern. Ihr Bein war so verdreht, dass sie die Schmerzen kaum aushielt. Um es ausstrecken zu können, schob sie ein paar Trümmer beiseite. Dabei zog sie sich Schnitte und Schürfwunden zu. "Ich habe eine Flasche Ketchup und etwas geriebenen Käse gefunden. Das hat mich bei Bewusstsein gehalten", erzählt sie später der BBC.
Gegen Abend kam dann eine Gruppe von Feuerwehrmännern, um nach Fabiana zu suchen. Weil sich das Kind nicht bemerkbar machen konnte, zogen sie nach kurzer Zeit wieder ab und beteuerten, nichts mehr für sie tun zu können. Für Karina brach eine Welt zusammen. Doch ein freiwilliger Helfer, Viktor, schenkte ihr wieder Kraft.
Als dieser nach Fabiana rief, hörte sie es diesmal und antwortete. Karina war erleichtert und schrie voller Euphorie "Meine Tochter lebt!".
Während Viktor Fabiana immer weiter gut zusprach, um sie zu beruhigen, wurde ein Rettungsteam aus Caracas alarmiert. Mit Einbruch der Dunkelheit, richteten die Helfer die Scheinwerfer ihrer Autos und Motorräder auf das zertrümmerte Haus. Stück für Stück legten die Helfer den Weg zu dem Mädchen frei, bis sie es nach 32 Stunden endlich bergen konnten.
Fabiana strahlte trotz ihrer Schmerzen über beide Ohren: "Nachdem ich so viele Stunden lang eingesperrt gewesen war, war ich überglücklich, als ich sie sah."
Sie hatte alle Schutzengel an ihrer Seite. Von den 50 Bewohnern des Hauses haben nur drei überlebt.