Wände, Decken, Dachschrägen – bei Siegi Kasbauer ist jeder Millimeter belegt. Exakt 9.717 verschiedene Meterstäbe hängen im Dachgeschoss seines Hauses in Fraunhof bei Schardenberg (Bez. Schärding). Freie Flächen sucht man in dem außergewöhnlichen Museum vergeblich.
Angefangen hat alles 1977 mit seiner Zimmererlehre beim Betrieb Eilblmayr-Wolfsegger-Bau in Vöcklabruck. Durch Kontakte zu Zulieferfirmen im In- und Ausland bekam Kasbauer immer wieder besondere Meterstäbe geschenkt oder konnte sie eintauschen. Seine Sammlung wuchs praktisch am laufenden Meter.
Im Jahr 2000 setzte der Innviertler neue Maßstäbe und eröffnete das erste und bis heute einzige Meterstabmuseum Österreichs. Im vergangenen Jahr feierte es schon sein 25-jähriges Bestehen. Jetzt fehlen Kasbauer nur noch 283 Exemplare bis zu seiner persönlichen Messlatte: "Bei 10.000 Stück ist Schluss", sagt er mit einem Schmunzeln.
Österreichweit zählt Kasbauer zu lediglich zwei bekannten Zollstock-Sammlern. Für seltene Stücke ist ihm kein Weg zu weit: Einmal im Jahr fährt er rund 600 Kilometer zur größten deutschen Meterstab-Tauschbörse nach Köthen bei Leipzig.
Auch in Schardenberg brachte er die Szene auf einen gemeinsamen Nenner. Zu seiner Zollstockbörse im April 2005 kamen rund 600 Sammler aus Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Einige Exemplare seiner Sammlung haben bereits mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Besonders hoch legt Kasbauer die Messlatte bei einem Meterstab im bayerischen Rautenmuster mit Papst Benedikt XVI. und dessen Geburtshaus in Marktl am Inn. "Dieses Sammlerstück ist mir besonders heilig!", erzählt er. Auch ein Meterstab mit der Aufschrift des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher gehört zu seinen Raritäten.
Wer die Sammlung unter die Lupe nehmen möchte, kann das privat geführte Museum nach vorheriger telefonischer Anmeldung besuchen. Auch andere Sammler sind zum Tauschen willkommen. Telefonnummer: 0676/7612210.