Vom Konflikt mit dem Iran sind nicht nur die Menschen direkt betroffen. Tausende Kilometer vom Kriegsgebiet entfernt leiden auch die Wale in den Gewässern vor Südafrika unter den Folgen der Blockade der Meerenge.
Denn viele Schiffe umfahren mittlerweile die Straße von Hormus. Das dadurch gewachsene Verkehrsaufkommen vor Südafrikas Küste erhöht für die Meeressäuger die Gefahr tödlicher Kollisionen mit Frachtern erheblich.
Auf die Gefahr machte ein wissenschaftlicher Bericht aufmerksam, der bei den Beratungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) vorgestellt wurde. Die Leiterin der Walforschungsabteilung der Universität Pretoria, Els Vermeulen, wies darin auf eine "erhebliche räumliche Überlappung" der Schifffahrtsrouten und der Walwandergebiete hin.
Die Zahlen sind alarmierend: Laut Portwatch, einem Beobachtungsdienst des Internationalen Währungsfonds, fuhren heuer vom 1. März bis zum 24. April 89 Handelsschiffe rund um Südafrika. Voriges Jahr waren es im selben Zeitraum nur 44. Der Schiffsverkehr hat sich laut Vermeulen vervierfacht.
"Die Tiere hatten keine Zeit, sich an die Schiffe zu gewöhnen", hebt Chris Johnson von der Walschutzinitiative des WWF hervor. Kollisionen mit Schiffen werden selten gemeldet, sind aber ein bedeutender Faktor bei der Sterblichkeit von Walen.
Der Bericht der IWC macht dazu konkrete Vorschläge: Eine Verlegung der Schifffahrtsrouten etwas weiter von der Küste entfernt könne das Kollisionsrisiko für die Wale um 20 bis 50 Prozent senken. Für die Schiffe würde das eine Verlängerung ihrer Fahrt um gerade einmal 20 Seemeilen bedeuten.
Weitere mögliche Schutzmaßnahmen wären Apps oder Funknachrichten, die Schiffe vor größeren Walgruppen warnen. Außerdem wird daran geforscht, wie mit KI-ausgestatteten Kameras auf Frachtern zum Schutz der Wale eingesetzt werden könnten.