Empörung über die "Rich Kids of Tehran"

Die Sichtbarkeit der sozialen Ungleichheit im Iran wächst, eine junge Elite prahlt im Netz mit dem Reichtum ihrer Väter.
Der Schwiegersohn des iranischen Präsidenten Hassan Rohani sah sich im Dezember gezwungen, einen lukrativen Regierungsjob nur zwei Tage nach seiner Berufung zurück zu legen: Zu groß war der öffentliche Druck, zu laut die Kritik an der einflussreichen Elite, die ihren Söhnen Reichtum, Netzwerke und Privilegien vererbt.

Während die Lebensqualität für den Durchschnittsiraner in den letzten Jahren kaum gestiegen ist, steht der Fall symptomatisch für die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit einer Klasse an jungen Männern und Frauen, die den Reichtum ihrer Familien öffentlich zur Schau stellen. Der Instagram-Account "The Rich Kids of Tehran" sammelt Einblicke in das Leben dieser Elite: Mittzwanziger mit teuren Autos und Designer-Klamotten, beim Entspannen in Luxushotels, auf ausgelassenen Partys.

"Sie sind einfach neidisch"

Sasha Sobhani etwa, Sohn eines ehemaligen iranischen Botschafters, zeigt sich auf Instagram mit leicht bekleideten Frauen beim Urlaub in Griechenland; auf einer Yacht in der Türkei. Kritikern richtet er aus: "Menschen, die sich nicht so viel Reichtum erarbeitet haben wie ich, sind einfach neidisch."

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CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. US-Sanktionen hemmen Außenhandel

Nur die wenigsten können sich im Iran solchen Luxus leisten. Zunehmend strenge internationale Sanktionen haben ab 2011 das Wirtschaftswachstum der islamischen Republik gebremst, das pro-Kopf-BIP betrug 2017 lediglich 5.415 US-Dollar. Der Iran-Deal sorgte zwischenzeitlich zwar für eine leichte Erholung der Wachstumsrate, im November 2018 setzte US-Präsident Donald Trump die Sanktionen aber wieder ein und hemmte damit den Außenhandel erneut massiv.

"Menschen können sich kaum Windeln leisten"

Nicht nur in sozialen Netzwerken sorgte das Zurschaustellen eines privilegierten Lebensstils für eine Debatte. Der populäre Geistliche Mahdi Sadrossadati kritisierte etwa den Sohn eines Kommandanten der Revolutionsgarde, der sich einen Tiger als Haustier hält und eine verschwenderische Party für seine 2-jährige Tochter schmiss. "Es ist nicht möglich, dass ein 25-Jähriger sich diesen Reichtum selbst erarbeitet hat", zitiert ihn die Washington Post: "Menschen können sich kaum Windeln für ihre Babys leisten, in welchem Land lebst du denn?"

Aller öffentlicher Kritik zum Trotz ist eine Verringerung der wirtschaftlichen Ungleichheit nicht in Sicht, die positiven Effekte des Iran-Deals klingen nach Wiedereinführung der US-Sanktionen ab. Vom Bildungssystem bis zum Berufsleben – ohne die richtigen Verbindungen ist ein Aufstieg im Iran nach wie vor kaum möglich.

Quellen:

Washington Post-Bericht

The Rich Kids of Tehran

Einfluss der Sanktionen auf die wirtschaftliche Situation im Iran

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