Wenn Menschen monatelang abgeschieden in einer kleinen Gruppe leben, werden sie einsam, misstrauisch und angespannt. Das zeigt eine aktuelle Studie, die das Verhalten eines Forschungsteams in einer Antarktisstation untersucht hat.
Die zwölf Wissenschaftler trugen Sensoren, die erfassten, wie oft und wie lange sie sich mit wem trafen. Zusätzlich füllten sie regelmäßig Fragebögen aus - unter anderem zu Teamdynamik, sozialem Miteinander und Misstrauen.
Wie spiegel.de unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa berichtet, entwickelten einige Teammitglieder nach ein paar Monaten paranoide Züge. Sie glaubten, dass andere über sie sprechen oder sie beobachten würden.
"Wir haben in der Expeditionsgruppe deutliche Paranoia gemessen. Aber das ist natürlich weit entfernt von einem paranoiden Verfolgungswahn wie bei schweren psychischen Erkrankungen", erklärt der Würzburger Psychiater Sebastian Walther.
Die Studie wurde an mehreren Universitäten durchgeführt und in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Forschungsstation "Concordia" liegt auf rund 3.200 Metern Höhe an einem der entlegensten Orte der Erde.
Die Erkenntnisse könnten für geplante Langzeit-Weltraummissionen zum Mond oder Mars wichtig sein. Denn auch dort werden kleine Teams über lange Zeit auf engstem Raum zusammenleben müssen - ohne Möglichkeit zur Flucht.
"Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, soziale Dynamiken früh zu erkennen und Teams gezielt zu unterstützen", heißt es in der Untersuchung. Das gilt auch für andere extreme Arbeitsumgebungen wie U-Boote oder Offshore-Plattformen.