Die Zahlen für den Autopreis "Gelber Engel" des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) dürften schon seit Jahren manipuliert worden sein. ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage zum "Lieblingsauto der Deutschen" über Jahre hinweg nach oben geschönt haben.
Die Zahlen für den Autopreis "Gelber Engel" des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) dürften schon seit Jahren manipuliert worden sein. ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage zum "Lieblingsauto der Deutschen" über Jahre hinweg nach oben geschönt haben.
Am Sonntag hatte der Autoclub in München zunächst eingeräumt, dass die Teilnehmerzahlen für die diesjährige Wahl höher dargestellt worden waren als sie tatsächlich waren. Ramstetter, der seit Jahren auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" war, habe - so der ADAC in seiner Mitteilung - "die alleinige persönliche Verantwortung" übernommen und alle Funktionen beim ADAC niedergelegt.
"Ruf ist jetzt angeschlagen"
ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair - seit Juli 2012 in dieser Funktion, und von 1991 bis 2002 als Geschäftsführer der ÖAMTC-Akademie tätig - warf Ramstettet Dreistigkeit vor. Bei der Wahl habe er die Zahlen "in einer unglaublich dreisten Art und Weise" nach oben verändert, sagte der gebürtige Oberösterreicher am Montag in München.
"Dieser Vorgang tut uns leid, er trifft den ADAC ins Mark, weil wir als eine der vertrauenswürdigsten und seriösesten Organisationen galten", sagte Obermair. "Dieser Ruf ist jetzt angeschlagen." Obermair versprach eine umfassende und möglichst rasche Aufklärung, organisatorische und strukturelle Veränderungen sind geplant.
Andere Zahlen des ADAC - etwa bei Verbrauchertests - sind laut Obermair aber korrekt.
ÖAMTC will weiter mit ADAC kooperieren
Als "ärgerliche Malversation" hat ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold die aufgedeckten Manipulationen. Der "Einzelfall" werde jedoch keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zum Schwesterclub ADAC haben. Der ÖAMTC selbst vergibt 2014 zum zweiten Mal den Autopreis "Marcus".
Laut dem jüngsten Geschäftsbericht im Jahr 2012 nahm der ADAC eine Milliarde Euro an Mitgliedsbeiträgen ein. Eine weitere Milliarde nahmen die Tochtergesellschaften ein, vor allem die Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Autovermietung wuchsen kräftig. Eine weitere halbe Milliarde steuerten die Regionalgesellschaften zum ADAC-Umsatz bei. Nach Abzug der Kosten etwa für die Pannenhilfe erwirtschaftete der ADAC 167 Millionen Euro Gewinn. Das Anlagevermögen erreichte zuletzt 1,94 Milliarden Euro, das Eigenkapital gut eine Milliarde Euro.
Autohersteller fordern Aufklärung
Volkswagen und Daimler forderten den Automobilclub zur umfassenden Aufklärung des Vorfalls auf. Gedanken über mögliche Konsequenzen könne man sich danach machen, ergänzte ein VW-Sprecher. Ford zeigte sich enttäuscht vom ADAC. "Der Preis hat eine große Reputation. Da geht man davon aus, dass es bei der Findung der Sieger mit rechten Dingen zugeht", sagte ein Sprecher der Kölner Ford-Werke.
Mehr Stimmen angegeben als abgegeben
Der Automobilclub hatte eingeräumt, die Wahl des Lieblingsautos der Deutschen durch die Leser seines Magazins "ADAC Motorwelt" manipuliert zu haben. Demnach stimmten viel weniger Leser für das mit dem "Gelben Engel" ausgezeichnete Auto als angegeben. Die "Süddeutschen Zeitung" berichtete davon, dass etwa statt 290.000 kolportierter abgebener Stimmen nur rund 76.000 tatsächlich abgegeben wurden. Die Rangfolge der beliebtesten Autos sei aber nicht verändert werden. Die Organisation erklärte, weder die Geschäftsführung noch das Präsidium hätten von den Unregelmäßigkeiten gewusst.
APA/red