Jahreskarten überholen zum 4. Mal PKWs in Wien

2019 war für die Wiener Linien ein erfolgreiches Jahr: Mit 852.000 Jahreskarten-Besitzern wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Der Anteil der Öffis am Modal Split bleibt aber konstant.

30.000 mehr Jahreskarten-Besitzer im Vergleich zu 2018, zum vierten Mal in Folge mehr Jahreskarten als zugelassene PKW in Wien und ein fast abgearbeitetes Öffi-Paket: Die Wiener Linien blicken zufrieden auf das Geschäftsjahr 2019 zurück.



Aktuell besitzen in Wien 852.000 Menschen eine Jahreskarte. Das sind rund 143.000 mehr als zugelassene PKWs in Wien. Trotzdem bleibt der Anteil der Öffis am Modal-Split, also am gesamten Verkehrsaufkommen in Wien in etwa auf dem Stand der Vorjahr. Im Vergleich zu 2016 (damals 39%) ist der Anteil sogar um einen Prozentpunkt auf 38% gesunken. Damit liegt der Wert ebenso hoch wie 2017 und 2018. Ein deutliches Minus gibt es hingegen beim PKW-Verkehr: Dieser ist in Wien im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gesunken. Verantwortlich für den Rückgang sind aber nicht die Öffis, sondern der Umstand, dass mehr Wiener zu Fuß in der Stadt unterwegs sind.

Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer sind dennoch zufrieden: "Der Modal-Split-Anteil der Öffis ist im internationalen Vergleich enorm hoch. In München sind es 24 Prozent, in Hamburg 22 Prozent", erklärten sie bei der Bilanz-Pressekonferenz am Mittwoch im Infocenter U2/u5.

Der Plafond sei aber keineswegs erreicht, betonten Sima und Steinbauer. Um den Anteil der Öffis am Verkehrsaufkommen weiter zu heben, brauche es aber neue Angebote. Für diese investieren die Wiener Linien alleine heuer 368 Millionen Euro.



Ausschreibung für U-Bahn-Rohbau läuft

Das größte Ausbauprojekt ist mit Sicherheit das neue Linienkreuz der U2 und U5. Schon im vergangenen Jahr seien dafür wichtige Vorbereitungsarbeiten erfolgt. Nach der notwendig gewordenen Neuausschreibung für den Rohbau soll im Sommer eine Entscheidung fallen. "Wir sind derzeit bei den Detailverhandlungen", erklärt Sima. Vor allem die Frage der Kosten sei offen. Grund: "Der Wiener U-Bahnbau ist neben dem Koralmtunnel, dem Semmeringtunnel und dem Brennerbasistunnel die vierte größte Grabungsbaustelle in Österreich. Und da es nur zwei oder drei Firmen gibt, die diese Arbeiten durchführen können, bestimmt hier die Nachfrage den Preis", erklärt die Stadträtin.

Verlängerung der U5 bis Hernals denkbar

Neben dem Vorschlag von Bürgermeister Michael Ludwig, die Wiener Bims über die Stadtgrenze hinaus etwa nach Schwechat zu verlängern – "Heute" hat berichtet – spricht sich Sima auch für eine Verlängerung der U5 bis Hernals, konkret zur S45-Station in Hernals aus. Beide Projekte könnten aber nicht alleine durch die Stadt finanziert werden, "hier braucht es konkrete Zusagen von Bundesseite".

Öffi-Stadträtin Ulli Sima und Wiener Linien-Chef Günter Steinbauer freuen sich über einen weiteren Jahreskarten-Rekord

(Bild: Denise Auer)

Der Ausbau des Öffi-Netzes sei jedenfalls notwendig, nicht nur um bestehene Linien zu entlasten, sondern auch als das derzeit größte Klimaschutzprojekt, unterstreicht Sima. "Obwohl die Öffis 38% des Verkehrsaufkommens stellen, verursachen sie nur ein Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Stadt. Jeder der zugunsten einer Jahreskarte auf das Auto verzichtet, spart pro Jahr 1,5 Tonnen klimaschädliches CO2 ein. Auch das Linienkreuz U2xU5 wird nach der Fertigstellung 75.000 Tonnen CO2 im Jahr einsparen. Jeder Euro, der in den Öffi-Ausbau fließt, kommt eins zu eins den österreichischen Klimazielen zugute", so Sima.

2020 ist Jahr der Öko-Busse



War 2019 das Jahr der Straßenbahnen – Stichwort Verlängerung der Linie D ins Sonnwendviertel oder die bald kommenden zusätzlichen vier Stationen des O in Richtung Nordbahnhofviertel, wird heuer das Jahr der Öko-Busse.

Aktuell seien 414 umweltfreundliche Euro-6-Busse und 12 E-Busse sowie zwei autonome E-Busse in Wien unterwegs und transportieren pro Jahr rund 200 Millionen Fahrgäste. Heuer geht der Ausbau der Öko-Busflotte weiter: So werden nun auch 12-Meter-E-Busse getestet. Für die Ladung entwickelten die Wiener Linien ein eigenes Patent, das es möglich macht, den für den Antrieb nötigen Strom direkt aus der 750 Volt-Oberleitungen der Bims zu übernehmen.

In Siebenhirten (Liesing) soll dafür ein eigenes Kompetenzzentrum für E-Busse entstehen, die Planungen dafür beginnen noch heuer. Ab 2023 sollen dann insgesamt 60 E-Busse ihren Betrieb im Süden Wiens, und erstmals auch in den Außenbezirken, aufnehmen.

Neuer Busantrieb mit Wasserstoff und Klärschlamm

Daneben testen die Wiener Linien auch Wasserstoff als umweltfreundlichen Antrieb. Bis 2027 sollen insgesamt 72 E-Busse und 10 Wasserstoff-Busse auf Wiens Straßen unterwegs sein. Die Investitionskosten für die Fahrzeuge mit emissionslosen Antrieben belaufen sich auf 25 Millionen Euro.

Eine weitere Alternative soll die Umwandlung von Klärschlamm in Öko-Kraftstoff sein. Derzeit läuft dazu in der Simmeringer Haide (Simmering) ein Forschungsprojekt, in dem geprüft wird, wie aus der Abfallproduktion ein für Busse nutzbarer Kraftstoff entstehen kann.

Was sonst noch für heuer geplant ist

- Wartehäuschen-Begrünung:

Nach den ersten "grünen Stationen" sollen künftig bei allen neuentstehenden Wartehäuschen eine Begrünung integriert werden. Zusätzlich sollen jedes Jahr zehn öffentliche Gebäude mit grünen Fassaden ausgestattet werden. Heuer ist etwa das Stationsgebäude in der Spittelau an der Reihe.

- Bims fahren auf Grün ab:

Grüner sollen auch die Gleise der Bims werden. Neue Straßenbahngleise sollen, wenn möglich, als Grüngleis gebaut werden. So wie etwa bei den neuen Stationen der Bimlinie O beim Nordbahnhofviertel (Leopoldstadt).

- Matzleinsdorfer Platz macht Platz für "Maulwurf":

Beim Matzleinsdorfer Platz (Favoriten) wird derzeit ein 30 Meter tiefer Schacht gegraben. Ab 2023 wird sich von hier aus die Tunnelgrabmaschine, der sogenannte "Maulwurf" seinen Weg in Richtung Neubau graben. Künftig ist hier die neue U2 unterwegs.



- Neue U-Bahnstation in der Donaustadt:

Noch herrscht hier weitgehend Leere, ab schon in den nächsten Jahren sollen im Stadtentwicklungsgebiet "Oberes Hausfeld" tausende neue Wohnungen entstehen. Damit die künftigen Bewohner rasch und bequem zu den Öffis kommen, bauen die Wiener Linien hier zwischen den U2-Stationen Aspernstraße und Hausfeldstraße die neue Station "An den alten Schanzen" gebaut. Derzeit werden die Planungsleistungen ausgeschrieben, voraussichtlich 2024 soll die Station fertig sein.

- Überbrückung der "letzten Meile":

Über den Ausbau der WienMobil-Stationen wollen die Wiener Linien die Wiener mit ergänzenden Mobiltätsangeboten direkt bis vor die Haustür bringen. Derzeit gibt es drei Stationen (Simmering, Ottakring und am Rochusmarkt in Landstraße), diese werden heuer um mindestens drei Standorte erweitert.

Bei den WienMobil-Stationen stehen den WienerInnen neben den Öffis ergänzende Mobilitätsangebote wie Carsharing, Scooter und Citybike zur Verfügung. Via WienMobil-App können diese schon vorab gebucht werden. Langfristig sollen die Wiener an den Endpunkten der Öffis auch auf fahrerlose Busse oder Autos umsteigen können. Das sei zwar noch Zukunftsmusik, für Sima aber dennoch die "Zukunft der Mobilität.



- Ab Sommer ist U6 vollklimatisiert:

Die im Vorjahr begonnene Nachrüstung der älteren U6-Garnituren mit Klimaanlagen soll heuer abgeschlossen werden. Ab dem Sommer soll es dann in allen Abteilen schön kühl sein.

- Neue Flexitys in Wien unterwegs:

Derzeit sind acht Flexity-Bims im Wiener Öffinetz unterwegs, bis Jahresende sollen es dann 25 (auf den Linien 6 und 11) sein. Noch heuer liefert Bombardier 18 weitere neue Garnituren an die Wiener Linien aus. Diese ersetzen sukzessive die alten Hochflurmodelle und sorgen für mehr Barrierefreiheit.

- Ausbau bei Öffi-Sicherheit:

Bis Ende 2020 wird der Sicherheitsdienst der Wiener Linien auf rund 130 Mitarbeiter aufgestockt. Auch das Team von "Help U", bei dem die Wiener Linien mit der Suchthilfe Wien kooperieren, wird auf sieben Mitarbeiter erweitert. Daneben kommen zu den bisher 2.700 Kameras in den Wiener U-Bahnstationen weitere 180 dazu.

- Neuer "Spielplatz" für U-Bahnstars:

2019 sorgten 90 Künstler und Bands bei insgesamt 4.505 gespielte Gigs für gute Laune bei den Fahrgästen. Von den derzeit sieben Spots (Westbahnhof, Karlsplatz, Praterstern, Landstraße, Spittelau, Neubaugasse und Stephansplatz) war der Westbahnhof 2019 der beliebteste. Ab März kommt mit dem Schwedenplatz ein weiterer "Spielplatz" dazu. Für 2020 sind noch einige weitere Stationen geplant. Um diese auch bespielen zu können, wird aktuell nach neuen Talenten gesucht. Das nächste Casting findet am 20. und 21. Februar statt.

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