Jeder zweite Radfahrer nutzt Pop-up-Radweg

In der Praterstraße nutzt knapp jeder zweiter Radfahrer den Pop-up-Radweg.
In der Praterstraße nutzt knapp jeder zweiter Radfahrer den Pop-up-Radweg.Denise Auer
Wahlkampfgetrommel oder nachhaltige Verkehrsidee? Die Pop-up-Radwege polarisieren. Eine Studie der TU Wien zeigt nun, wie gut sie angenommen werden.

An vier Hauptverkehrsrouten hat die Stadt Radfahrern mehr Platz eingeräumt. Neben der Praterstraße und Lassallestraße (beide Leopoldstadt), sind auch auf der Wagramer Straße (Donaustadt) und in der Hörlgasse (Alsergrund) eine Fahrspur exklusiv für Radfahrer reserviert.

Neben der Opposition, die das grüne Prestigeprojekt für einen "Etikettenschwindel" (ÖVP) und "Attacke auf Autofahrer" (FPÖ) hält, übte auch die SPÖ scharfe Kritik an den temporären baulichen Einrichtungen. Die rote Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin der Leopoldstadt, Astrid Rompolt, bezeichnete sie gar als "Wahlkampfgetrommel". Für einen "Pfusch" hält sie Ernst Nevrivy, Bezirkschef der Donaustadt (SPÖ). Skeptisch zeigen sich auch Autofahrerklubs und Autofahrer. Viele stellen die Sinnhaftigkeit in Frage.

TU Wien untersucht Auslastung

Mit aktuellen Zahlen wollen die Grünen ihren Kritikern nun den Wind aus den Segeln nehmen. Denn aktuell sind die vier Pop-up-Radwege Gegenstand einer Verkehrserhebung des Instituts für Verkehrswissenschaften an der TU Wien von Experte Harald Frey. Die ersten Zwischenergebnisse liegen "Heute" vor: "Die Auswertung der bisher durchgeführten Erhebungen zeigt, dass die Pop-up-Radinfrastruktur gut angenommen wird, wobei sich Unterschiede in der Nutzungsfrequenz aufgrund lokaler Gegebenheiten (v.a. Linienführung und Bodenmarkierungen) ergeben", heißt es in dem Bericht. Die Zahlen zeigen außerdem, dass Radfahren in Wien immer beliebter wird: Im Vergleich zum Mittelwert im April der Jahre 2017 bis 2019 stieg der Anteil der Wiener, die heuer im selben Monat mit dem Drahtesel unterwegs waren um 17 Prozent. Im Februar waren es sogar ein Plus von 30 Prozent.

Beliebter Pop-up-Weg in der Donaustadt

Konkret wurden entlang der Wagramer Straße in der Spitzenstunde zwischen 17 und 18 Uhr über 400 Radfahrer am
Samstag bzw. knapp 300 am Montag (16 bis 17 Uhr) gezählt. Durchschnittlich 53 Prozent (Samstag) bzw. 59 Prozent (Montag) der Radler nutzen den Pop-up-Radweg stadtauswärts. Häufiger wird der baulich getrennte Abschnitt derzeit stadteinwärts genutzt. 77 Prozent (Samstag) bzw. 74 Prozent (Montag) weichten auf den Streifen aus. In der Spitzenstunde nutzten insgesamt 299 (Samstag) bzw. 177 (Montag) Personen den Pop-up-Radweg.

47 Prozent nutzen Streifen in der Praterstraße

Deutlich mehr Sportler wurden auf der Praterstraße gezählt. In der Spitzenstunde (19 bis 20 Uhr) waren dort insgesamt 1.173 Radfahrer gezählt. Durchschnittlich nutzt dort jeder zweite den temporären Radweg. 

Zufrieden mit den Zahlen zeigt sich das Büro der zuständigen Verkehrsstadträtin Birgit Hebein (Grüne). "Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die temporäre Radinfrastruktur entlang des Hauptradwegenetzes gut genutzt wird. Für ein frühzeitiges Entfernen sehen wir daher keinen Grund". Wie berichtet, hat zuletzt in der Leopoldstadt der Bezirke für eine Abschaffung der Pop-up-Radwege gestimmt.

In einem nächsten Schritt nimmt Verkehrsexperte Frey auch die Routen auf der Hörlgasse und in der Lassallestraße unter die Lupe.

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