Job weg – Game-Entwickler als Abtreibungsgegner

Der CEO des Entwickler-Studios Tripwire befürwortet auf Twitter ein Abtreibungsverbot in Texas. Nach Kritik tritt er jetzt vom Chefposten zurück.

Abtreibung ist weltweit ein hochumstrittenes Thema, erst kürzlich wurde im amerikanischen Staat Texas ein neues Gesetz dazu erlassen. Dieses besagt, dass Frauen ab der sechsten Schwangerschaftswoche nicht mehr legal abtreiben dürfen. John Gibson, Entwickler und Präsident seines Game-Studios Tripwire, äußerte sich zum Gesetz positiv auf Twitter. Das hatte für ihn harte Folgen.

"Ich bin stolz auf das oberste US-Gericht, das Gesetz war nötig. Ich werde als Entertainer nicht oft politisch, will mich aber trotzdem als Pro-Life-Entwickler bekennen", so Gibson in einem Tweet. Dieser löste eine Welle von Reaktionen aus. Andere bekannte Entwickler, Journalisten und die Community selber kritisierten seine Stellung stark.

"Ich kaufe nie wieder eure Games!"

Tripwire Interactive ist das Studio hinter "Maneater" und "Killing Floor". Nach dem Vorfall gaben sie ebenfalls auf Twitter bekannt: John Gibson muss zurücktreten. An seiner Stelle wird der Vize-Präsident Alan Wilson vorläufig seinen Chefposten übernehmen. "Die Kommentare von John Gibson sind seine eigene Meinung und repräsentieren nicht diese von Tripwire Interactive und dessen Mitarbeitern", schreibt das Studio.

Indessen geben auch andere in der Branche ihren Unmut bekannt. US-Entwickler kritisieren seine Stellung, andere beenden ab sofort die Zusammenarbeit mit dem Studio. Die meisten Stimmen geben bekannt, nie wieder ein Spiel zu kaufen, welches sie entwickelt haben.

Gesetz mit Kopfgeld-Funktion

Ein Grund, weshalb die Stimmen zu diesem Thema so laut sind wie lange nicht mehr, ist auch die Art des Gesetzes selber. Ab der sechsten Schwangerschaftswoche gibt es keine Ausnahmen mehr für Frauen – ob durch Vergewaltigung oder anderen Ursachen: Abtreiben ist verboten.

Doch dabei bleibt es nicht. Bei der Durchsetzung des Gesetzes hat nämlich nicht nur der Staat die Erlaubnis sondern auch Bürgerinnen und Bürger. Soll heißen: Wenn eine Privatperson von einem illegalen Abtreibungsfall weiß und die betroffenen Personen anzeigt, wird sie belohnt. Eine erfolgreiche Zivilklage bringt bis zu 10.000 Dollar. Die Bürgerrechtsgruppe ACLU nennt es ein "Kopfgeld"-Schema.

Ein Statement von John Gibson gab es seit seinem Tweet nicht. Sein Studio hat aber alle Hände voll zu tun, ihren Ruf wiederherzustellen. Auf Steam gibt es zu ihren Games bereits absichtliche Negativ-Bewertungen, die sich auf ihre Verkaufszahlen schlecht auswirken. Sich vom Vorfall zu erholen, wird wohl noch eine Weile dauern.

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