Die ungarische Schach-Großmeisterin Judit Polgar hat ein Angebot von Ungarns Regierungschef Peter Magyar abgelehnt, neue Präsidentin des Landes zu werden. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Kraft habe, die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen", schrieb Polgar am Montag in Onlinediensten. "Daher kann ich die Einladung nicht annehmen."
Magyar hatte davor auf Facebook erklärt, dass er Polgar am Montag treffen und sie darum bitten wolle, das Amt der Staatschefin zu übernehmen. "Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können", sagte Magyar.
Die 49-jährige Polgar gilt als größte Schachspielerin aller Zeiten. Sie war rund 25 Jahre lang die Nummer eins bei den Frauen und ist bis heute die einzige Frau, die es unter die besten Zehn aller Kategorien weltweit geschafft hat.
Der bisherige Präsident Tamas Sulyok, ein enger Vertrauter vom ehemaligen Regierungschef Viktor Orban, verlor wegen einer Verfassungsänderung sein Amt. Das ungarische Parlament hatte vergangene Woche eine Absetzung beschlossen. Sulyok kritisierte die Verfassungsänderung am Samstag zwar, betonte aber, dass er keine Möglichkeit habe, dagegen vorzugehen. Sein letzter Tag als Staatsoberhaupt war am Sonntag.