Sie fanden einen Autoschlüssel, suchten den passenden Wagen und machten damit Spritztouren durch Graz. Mehrere Jugendliche waren tagelang mit einem gestohlenen Auto unterwegs, das berichtet die Kleine Zeitung. Besonders brisant: Der jüngste Lenker war gerade einmal 13 Jahre alt.
Aufgeflogen ist die Gruppe, weil ein Schüler damit geprahlt haben soll, mit einem Auto herumzufahren. Kollegen wurden stutzig, schließlich bekam auch ein Lehrer Wind davon.
Die Jugendlichen machten es den Ermittlern zusätzlich leicht: Sie filmten ihre Fahrten und teilten die Aufnahmen. Es gilt dennoch die Unschuldsvermutung.
Fünf Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren mussten sich schließlich vor dem Grazer Straflandesgericht verantworten. Der 13-Jährige ist noch nicht strafmündig.
"Ich bin froh, Jugendstrafrichter zu sein. Denn alle von Ihnen haben ein Handy. Dadurch haben wir Videos, die schön zeigen, wer am Steuer gesessen ist", sagte Richter Florian Kubin laut Kleine Zeitung.
Ein 14-Jähriger blieb zunächst trotz der Videoaufnahmen bei seiner Version. Erst nach längerer Beratung mit seinem Anwalt, der ihm nahelegte, ein Geständnis wäre "schon schlau", änderte er seine Haltung. Am Ende lagen fünf Geständnisse vor.
Bei der Polizei hatten die Jugendlichen noch versucht, ihre Beteiligung herunterzuspielen. "Ich bin nur mitgefahren" und "Ich wusste nicht, dass das Auto gestohlen ist", lauteten Aussagen.
Auch die Erklärung, sie hätten geglaubt, es handle sich um das Auto des Vaters des 13-Jährigen, überzeugte den Richter wenig. "Diese Erklärung ist nicht ganz sauber", sagte Kubin laut Kleinen Zeitung.
Ausgangspunkt war ein gefundener Schlüsselbund. Der Bruder eines Angeklagten hatte ihn entdeckt. Darauf befand sich auch die Funkfernbedienung für das Auto des späteren Opfers.
Die Jugendlichen fanden den dazugehörigen Wagen, sperrten ihn auf und fuhren mehrmals damit. Eine ihrer Spritztouren führte sie auch durch den Grazer Plabutschtunnel.
Ein 17-Jähriger musste sich noch wegen eines weiteren Vorfalls verantworten. Wegen Fahrerflucht war ihm von der Behörde ein Moped abgenommen, abgesperrt und verwahrt worden. Der Jugendliche knackte das Schloss und holte sich das Moped wieder zurück.
Am Ende gab es fünf Schuldsprüche. Vier Jugendliche erhielten bedingte Strafen von zwei beziehungsweise drei Monaten – nicht rechtskräftig.
Für den 17-Jährigen setzte es hingegen sechs Monate unbedingte Haft. "Warum?", fragte er lachend nach der Verurteilung.
Der Richter antwortete: "Weil Sie aus Ihren bisherigen Verurteilungen nichts lernen. Sie kamen das letzte Mal aus der Haft - und begehen kurz darauf gleich sechs neue Delikte."