Raub oder Betrug?

Jugendliche verkauften Würfelzucker als Kokain

Vier Teenager stehen in Graz vor Gericht. Sie sollen zerstoßenen Würfelzucker als Kokain verkauft und einen Kunden ausgeraubt haben.
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06.03.2026, 10:25
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Mit einem Feuerzeug zerstampften sie Würfelzucker so fein, dass er wie Kokain aussah. Anschließend verpackten sie das weiße Pulver in Hundekotsackerl. Vier Jugendliche müssen sich deshalb derzeit vor Gericht verantworten. Der ungewöhnliche Fall spielte sich in Graz-Andritz ab.

Die Angeklagten - zwei 15-Jährige und zwei 16-Jährige aus Österreich, Russland und Afghanistan - sitzen derzeit in Haft. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie einen jungen Mann zu einem Treffen gelockt und ihn dort ausgeraubt haben.

"Jeden Kredit verspielt"

Die Verteidigung sieht das anders. Für sie handelt es sich lediglich um Betrug. Gerd Krassnig, Anwalt des erstangeklagten 16-Jährigen, kritisierte seinen Mandanten zunächst deutlich: "Er hat die Richterin, seine Eltern und mich schwer enttäuscht und eigentlich jeden Kredit verspielt", das berichtet die Kleine Zeitung.

Der Jugendliche war erst im Mai verurteilt worden und hatte damals versprochen, "keinen Blödsinn mehr zu machen. Doch das war eine Lüge." Trotzdem stellt sich sein Verteidiger hinter ihn. "Die vier Zeugen haben ein komplexes Lügenkonstrukt aufgezogen und mein Mandant ist hundertprozentig unschuldig. Ja, er wollte den Kunden mit dem Zucker abziehen", sagt Krassnig. Mehr als Betrug sei es aber nicht gewesen.

Auch der Verteidiger der drei anderen Jugendlichen sieht keinen Raub. Anwalt Martin Robier sagt: "Verzeihung, aber ich muss festhalten, dass meine Mandanten nicht die Hellsten sind. Sie sind mit dem Erstangeklagten mitgegangen, aber es gab weder ein Messer noch einen Raub."

230 Euro für Zucker!

Der Hauptangeklagte soll für den angeblichen "Zuckerkoks" 230 Euro erhalten haben. "Ein Würfelzucker sollte ein Gramm Kokain sein. Ich habe meine Kollegen nur aus Sicherheitsgründen mitgenommen, falls jemand das mit dem Zucker merkt", erklärte der 16-Jährige vor Gericht.

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Kontakt zu dem Käufer stellte er laut eigenen Angaben über soziale Netzwerke her. Eingeladen habe er ihn über Snapchat und TikTok. "Die Schneeflocken und der Brokkoli als Emojis sind ein Hinweis, dass es bei mir Drogen zu kaufen gibt."

Staatsanwältin Sara Sailer widerspricht der Darstellung der Jugendlichen deutlich. "Die Angeklagten wollten das Opfer zwingen, das vermeintliche Kokain zu kaufen." Einer der Beteiligten soll mit einem Springmesser gedroht haben, ein anderer habe zugetreten.

Auch Richterin Gudrun Schmitt konfrontierte den Angeklagten mit dem Vorwurf: "Kann es sein, dass Sie zornig geworden sind und zugetreten haben, weil der Kunde misstrauisch geworden ist?" Der 16-Jährige verneinte: "Nein."

Der Prozess wurde vertagt, es sollen weitere Zeugen einvernommen werden.

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