Manfred Auer hat ein Auge für das Unsichtbare. Alles, was krabbelt, fliegt oder kaum zu erkennen ist, zieht den 34-jährigen Klagenfurter in seinen Bann. Seit rund drei Jahren hält er diese winzige Welt mit der Kamera fest. Neben seinem Beruf in der IT und dem Familienalltag findet Auer jede Woche mehrere Stunden Zeit für seine Leidenschaft: die Makrofotografie. Mit beeindruckender Präzision porträtiert er Insekten und sogenannte Schleimpilze – und eröffnet dabei Einblicke in eine Welt, die dem bloßen Auge sonst verborgen bleibt.
Spinnen, Weberknechte, Fliegen oder Libellen – 90 Prozent seiner Fotomotive findet Auer zu Hause im eigenen Garten oder im nahe gelegenen Wald. Auch im Europaschutzgebiet Lendspitz/ Maiernigg bei Klagenfurt trifft er auf viele Insekten. Am liebsten fotografiert er um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden. "Ich stehe dann um 1 oder 2 Uhr in der Früh auf, denn dann hat man viele Vorteile beim Fotografieren. Zum Beispiel bewegen sich Libellen in kalten Nächten weniger", erklärt Auer.
Genau darauf kommt es nämlich an; mit normalem Fotografieren ist seine Arbeit kaum zu vergleichen. Bei der Makrofotografie wird die Größe des fotografierten Objekts verdoppelt. Dabei ist dann aber nur ein minimaler Bereich scharf. In dieser Zeit darf sich das Insekt nicht bewegen, sonst muss man wieder von Neuem beginnen. Somit braucht es 100 bis 150 Einzelfotos, welche Auer schlussendlich am Computer zu einem Gesamtbild zusammenfügt.
"Grundsätzlich fotografiere ich alles, was ich finden kann", sagt Auer. Auch seltene Tiere, etwa eine Rote Röhrenspinne ist ihm bereits vor die Kamera gelaufen. "Im eigenen Garten habe ich einen seltenen Weberknecht entdeckt, den man eigentlich nur in Höhenlagen findet", erzählt der Fotograf. Auch auf Auslandsreisen – in Ecuador und Mexiko – sind zehntausende beeindruckende Bilder entstanden. Dort hat er etwa Schlangen, Skorpionspinnen und die giftigste Spinne der Welt, die brasilianische Wanderspinne, fotografieren können.
Nächstes Jahr möchte Auer nach Kolumbien reisen. Dort hofft er, endlich einen Glasfrosch vor die Linse zu bekommen. "Die Unterseite des Bauches dieser Frösche ist durchsichtig. Das könnten sicher ganz tolle Bilder werden", erzählt er.
Fotografiert hat der Klagenfurter schon immer gern. Von seinem ersten eigenen Gehalt hat sich Auer im Alter von 20 Jahren eine eigene Kamera gekauft und vor allem Landschaften fotografiert. Doch mit seinen Insekten-Fotos startete der Kärntner richtig durch. Beim Close-up Photographer of the Year (CUPOTY) Wettbewerb 2024 erreichte er in der Kategorie "Invertebrate Portrait" den dritten Platz. Beim "International Picture Award – Macro" erreichte er den ersten Platz und kürzlich wurden beim "Naturfotograf Österreich des Jahres" sieben seiner Fotos nominiert; in zwei Kategorien holte er sogar den ersten Platz.
Manfed Auer – Makrofotograf
Seine Fotografien kann man auf Anfrage auch erbwerben.
Infos auf der Website: www.manfredauer.at
Instagram: www.instagram.com/macro.bug.hunter
Viele Menschen ekeln sich vor Insekten oder haben Angst. Das überwiegend positive Feedback auf seine Arbeit überrascht Auer daher immer wieder aufs Neue. "Mir haben sogar Personen, die eine Phobie haben, berichtet, dass sie durch meine Bilder weniger Angst vor den Insekten haben. Das finde ich sehr schön, denn es zeigt, dass es mir mit den Fotos gelingt, den Blickwinkel auf die Tiere zu verändern", so Auer.
Viele Arten sind bereits stark bedroht oder nahezu ausgestorben. Daher findet es der Fotograf umso wichtiger, auf diese versteckte Welt aufmerksam zu machen. "Ich habe es mir zur Mission gemacht, die Schönheit und Wichtigkeit dieser kleinen Lebewesen hervorzuheben. Vielen ist nicht bewusst, wie wichtig sie für uns alle und sehr viele ökologische Prozesse sind. Gibt es keine Insekten mehr, hat die Menschheit nicht mehr lange zu leben, daher müssen sie unbedingt geschützt werden", hält der Klagenfurter abschließend fest.