Kardinal Schönborn über die Hungersnot

Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Christoph SchönbornHelmut Graf
Über 800 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger. Um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen, läuten heute in ganz Österreich die Kirchenglocken. 

Am Freitag läuten in ganz Österreich um 15 Uhr die Kirchenglocken fünf Minuten lang. Karfreitag um drei Uhr Nachmittag war die Sterbestunde Jesu. Ständig sterben Menschen aufgrund von Alter, Krankheit, Kriegen und Unfällen – und immer noch viel zu viele an Hunger. Über 190 Millionen Kinder sind unterernährt und deshalb unterentwickelt. Über 800 Millionen der 7,7 Milliarden Menschen hungern, jeder zehnte Mensch! Besonders betroffen sind Asien, Afrika, Lateinamerika. Die Ursachen sind vielfältig: Kriege, Krisen, Katastrophen, Misswirtschaft, Korruption, Klimawandel.

Was sollen wir mit all diesen Zahlen und Fakten anfangen? Ich fühle mich ihnen gegenüber ohnmächtig. Soll ich ein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht hungern muss? Was ändert es am Hunger der vielen Millionen, wenn ich ein bisschen Geld spende? Ich kann dieses Problem nicht lösen. Nicht einmal die internationale Staatengemeinschaft schafft es, obwohl es möglich wäre. Eines kann ich: dankbar sein! Es nicht für selbstverständlich halten, dass wir genug zu essen haben. Lebensmittel nicht wegwerfen. Und gelegentlich daran denken, wie chronischer Hunger aussieht. Darum läuten die Glocken heute um 15 Uhr.

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