Olympia-Bronzemedaillengewinner Shamil Borchashvili (30) hat am Dienstag sein Karriereende bekanntgegeben. Der Oberösterreicher, der auch WM- und EM-Bronze erkämpfte, will sich künftig auf seine Ausbildung und die Arbeit mit Kindern konzentrieren.
"Es fühlt sich absolut richtig an, so schwer mir diese Entscheidung auch gefallen ist. Judo war für mich zwei Jahrzehnte lang die beste Lebensschule. Jetzt ist es Zeit für neue Aufgaben", erklärte Borchashvili. Ab sofort will er seine Energie in Workshops an Schulen und sein Wirtschaftsingenieur-Studium in Hamburg investieren. "Ich hatte eine ganze Reihe von Mentoren, jetzt möchte ich selbst eine Art Mentor für den Nachwuchs werden."
ÖJV-Präsident Martin Poiger würdigte die Leistungen: "Seit Lupo Paischer hatten wir keinen männlichen Judoka mehr von diesem Format. Shamil war am Tag X immer da und hat Österreich auf höchstem Niveau vertreten."
Vom Flüchtlingskind zum Medaillenmann
Borchashvili wurde 1995 in Tschetschenien geboren und kam mit seiner Familie im Alter von neun Jahren nach Oberösterreich. Über das LZ Multikraft Wels fand er zum Judo – und schrieb ab 2018 als Profi- und Sportsoldat internationale Erfolgsgeschichte.
In 2.909 Tagen auf der Weltbühne sammelte er 13 Medaillen, darunter Olympia-Bronze 2021 in Tokio, WM-Bronze 2022 in Taschkent und EM-Bronze 2024 in Zagreb. Fünfmal stand er bei Grand-Slam-Turnieren im Finale, zwei Titel (Glasgow 2018, Linz 2023) holte er nach Hause. 2019 gewann er zudem Mixed-Team-Bronze bei den European Games in Minsk, 2021 wurde er mit Wels Mannschafts-Staatsmeister.
"Ich war immer ein Analytiker, habe meine Gegner bis ins Detail studiert. Meine Kämpfe gingen oft ins Golden Score, weil ich kein großes Risiko eingehen wollte", blickt er zurück.
Trotz seines Rücktritts bleibt Borchashvili dem Judo treu: Als Obmann des Borchashvili Combat Center wird er am Mattenrand präsent sein. Parallel arbeitet er mit einem Kulturwissenschaftler an einem Vortragskonzept, das Prinzipien des Judo in die Arbeitswelt übertragen soll. "In ein paar Jahren will ich ein erfolgreicher Unternehmer sein. Eine bessere Lebensschule als Judo hätte ich mir nicht vorstellen können."