Ganze 47 Jahre lang arbeitete der gelernte Speditionskaufmann Rainer T. (66), war als Chefdisponent einer großen Firma gefragt: "Vor vier Jahren bin ich dann mit 62 Jahren in Pension gegangen. Damals habe ich nicht gewusst, was mich in der Zukunft erwartet", erzählt der Wiener, der in Favoriten lebt.
Denn im Jänner 2023 verlor der 66-Jährige aufgrund einer Venenerkrankung beinahe sein gesamtes linkes Bein: "Mir wurde das Bein bis oberhalb des Knies amputiert. Danach habe ich mir sehr schnell einen Krankenhauskeim eingefangen und eine Sepsis entwickelt. Erst im April konnte ich dann wieder nach Hause", erinnert sich Rainer T.
Nachdem der Wiener eine erste Behelfsprothese erhielt, folgte im September 2023 dann nach Bewilligung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) eine Prothese für höhere Aktivitäten: "Ich musste damit mühsam wieder gehen lernen", meint der 66-Jährige.
Doch die gesundheitlichen Probleme gingen weiter: "Auf einer Reha bekam ich plötzlich Probleme mit den Nieren – vermutlich, weil ich schon jahrzehntelang Diabetiker bin. Die Werte waren so schlecht, dass ich die Kur abbrechen musste. Im Spital wurde ich dann monatelang wegen meiner Niereninsuffizienz behandelt, erhielt Dialysen", berichtet der Pensionist.
„Der Weg mit der Prothese ist extrem schwierig, außerdem habe ich immer wieder Stumpfschmerzen“Rainer T.muss alle 3 bis 4 Wochen ins Spital
Nach einer Prostata-OP wurde bei dem 66-Jährigen schließlich auch noch das Myelodysplastische Syndrom (MDS), eine Erkrankung des Knochenmarks, diagnostiziert: "Daher muss ich alle drei bis vier Wochen ins Krankenhaus, dort erhalte ich dann Transfusionen, damit die Krankheit unter Kontrolle bleibt", erklärt Rainer T.
Laut eigener Angabe geht es dem Wiener körperlich nicht schlecht, aber: "Der Weg mit der Prothese ist extrem schwierig, außerdem habe ich immer wieder Stumpfschmerzen, die ein längeres Gehen schmerzhaft machen. Der Tag im Krankenhaus ist anstrengend und sehr lang – meist verbringe ich dort sechs bis sieben Stunden. Ich habe mir daher privat einen Rollstuhl gekauft, bin aber auch auf einen Fahrtendienst angewiesen", meint der Pensionist, der zu 90 Prozent behindert ist.
Bisher musste der 66-Jährige für die Bewilligung des Fahrtendienstes immer bei seinem Hausarzt ansuchen: "Dieser kann mir aber immer nur fünf Fahrten genehmigen. Der Fahrtendienst hat mir daher geraten, bei der ÖGK um eine Dauerbewilligung anzusuchen, was ich auch gemacht habe." Doch das Ergebnis war enttäuschend, denn das Ansuchen wurde von der ÖGK abgelehnt. "
"Heute" fragte nach, warum: "Herr T. hat im Dezember 2023 eine Oberschenkelprothese erhalten, die es ihm ermöglicht, sich zu bewegen, das selbstständige Gehen wieder zu erlernen und dauerhaft auszuüben. Deshalb ist es nicht erforderlich, eine Dauergenehmigung für den Transport auszustellen. Sollte es Herrn T. jedoch aufgrund von Prothesen-Schmerzen nicht möglich sein, zu gehen, übernehmen wir die Kosten der Transporte mit einem Vertragsfahrtendienst zu einer Behandlungsstelle innerhalb Wiens selbstverständlich auch weiterhin, wenn dies nach ärztlicher Anordnung erfolgt", heißt es.
„Ich bin keiner, der sagt, er nützt das System aus. Aber diese Entscheidung verstehe ich wirklich nicht“Rainer T.über die Ablehnung des Ansuchens auf Dauer-Fahrtendienst
Für Rainer T. ist die Reaktion völlig unverständlich: "Ich will nicht jedes Mal den Hausarzt konsultieren, aber offenbar geht es nicht anders. Ich bin keiner, der sagt, er nützt das System aus. Aber diese Entscheidung verstehe ich wirklich nicht", ist der 66-Jährige ernüchtert.