Es war ein deutliches Ergebnis: Die FPÖ ist der klare Sieger der Nationalratswahl. Wien ist das einzige Bundesland, in dem die SPÖ die Nase vorne hat. Aber: Die roten Hochburgen wackeln und auch die Grünen verlieren deutlich. Der Arbeiterbezirk Wien-Floridsdorf wurde umgefärbt. Von Rot auf Blau.
"Heute" war am Tag nach der Wahl vor Ort und hat mit den Bewohnern des Bezirks über das Wahlergebnis gesprochen.
Peter (61) ist mit dem Ergebnis "sehr" zufrieden: "Man sieht ja, dass da im 21. Bezirk in der Großfeldsiedlung ein sehr großer Ausländeranteil ist und was sich kriminalitätsmäßig abspielt. Es ist einfach zu viel, so kann es nicht weitergehen" sagt er. Helene (78) stimmt ihm zu und hofft, dass vieles besser wird, wenn die FPÖ regiert.
"Ich bin dafür nicht verantwortlich" sagt ein weiterer Passant, der seine Stimme einer anderen Partei gegeben hat. "Dieser Bezirk hat jetzt eine FPÖ-Mehrheit, das hat mich auch etwas verwundert. Da wird der Bürgermeister vielleicht darüber nachdenken", sagt er weiter.
„Es ist einfach zu viel, so kann es nicht weitergehen!“Peter, 61ist mit dem Ergebnis zufrieden
Die FPÖ hat hier in Floridsdorf mit einem hauchdünnen Vorsprung (rund 0,7 Prozentpunkte) gewonnen, die SPÖ liegt ganz knapp dahinter.
Mischo (32) findet den Sieg der Freiheitlichen alles andere als gut: "Grundsätzlich ist es ein demokratisches Ergebnis, aber eine Niederlage für Österreich", sagt er ins "Heute"-Mikro. Auf die Frage, ob er dafür ist, dass die FPÖ in die nächste Regierung kommt oder dies verhindert werden sollte, antwortet er entschlossen: "Kein Schritt nach rechts, definitiv".
Szenenwechsel: Wir fahren mit der U-Bahn in den benachbarten Bezirk Brigittenau. Dort hat die SPÖ klar die Nase vorne, die FPÖ liegt hier weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz (mit rund 13 Prozentpunkten Unterschied). Wie reagieren die Menschen aus diesem Bezirk auf das Wahlergebnis?
"Es ist sehr erschreckend, dass so viele Menschen eine rechtsextreme Partei wählen", findet Stefan (28), den wir vor der U-Bahn-Station Brigittenau antreffen. Die FPÖ möchte er lieber nicht in der nächsten Regierung sehen: "Ich bin sehr pro Brandmauer, weil irgendwann reicht's einfach und man muss mal klar dazu stehen, dass das keinen Platz hat in unserer Demokratie", sagt er entschlossen.
Domenikus (38) stimmt ihm zu: "Wir leben in einer Demokratie – dabei geht es um Mehrheiten und wenn ich keine Freunde habe, habe ich keine Mehrheit", äußert er sich und spricht damit FPÖ-Clubchef Herbert Kickl an, mit dem (laut aktuellem Stand) keine Partei koalieren will.
„Wenn ich keine Freunde habe, habe ich keine Mehrheit!“Domenikus, 38möchte Kickl nicht in der Regierung sehen
Bei unserem Spaziergang durch die beiden Bezirke wird klar: Das Land ist gespalten. FPÖ-Wähler hoffen auf eine Veränderung für Österreich, die links positionierten sehen eine Regierungsbeteiligung der Blauen als Gefahr für die Demokratie.