Toxin entdeckt

Gift in Babynahrung – Organisation zeigt Konzerne an

Im Skandal um verunreinigte Babynahrung mit dem Toxin Cereulid hat Foodwatch in Österreich Strafanzeige gegen Nestle und Danone erstattet.
Wien Heute
20.03.2026, 12:58
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Seit Anfang Februar gilt in Wien ein Verkaufsstopp für bestimmte Babynahrung aufgrund des gefährlichen Bacillus-Cereus-Toxins, das zu Durchfall und Erbrechen führen kann. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden den heimischen Behörden mit Stand 12. März 14 Erkrankungsfälle gemeldet.

Davon gelten drei Fälle als bestätigt, elf als wahrscheinlich – der letzte gemeldete Fall stammt vom 10. Februar. Die betroffenen Kinder im Alter zwischen zwei Wochen und drei Jahren sind inzwischen alle wieder genesen. Dennoch hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in Österreich Strafanzeige gegen Nestle und Danone erstattet.

Konzerne sollen Bekanntgabe verzögert haben

Die Anzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht, wie der ORF berichtet. Es geht um den Verdacht der verzögerten Bekanntgabe. Nach Ansicht von Foodwatch gebe es Hinweise darauf, dass die beteiligten Konzerne eine öffentliche Bekanntgabe der kontaminierten Produkte verzögert haben könnten und dadurch Säuglinge möglicherweise einem hohen Risiko ausgesetzt wurden.

Gegenstand der Anzeige, der sich sieben betroffene Familien angeschlossen haben, ist der Verdacht des Inverkehrbringens gesundheitsgefährdender Lebensmittel sowie der Verdacht der Körperverletzung durch Unterlassung. Für Foodwatch ist die Strafanzeige ein erster Schritt. Weitere rechtliche Schritte in Bezug auf mögliche Schäden, die bei Betroffenen entstanden, werden derzeit geprüft.

Betroffene Eltern melden sich laufend

Bei den sieben Familien, die sich der Anzeige angeschlossen haben, hatten die Kinder Symptome entwickelt und mussten teilweise im Krankenhaus behandelt werden. Laut Foodwatch würden sich laufend weitere betroffene Eltern melden.

"Wir sprechen noch immer beinahe täglich mit aufgelösten Eltern. Die Wut und Verunsicherung sind verständlicherweise weiterhin groß. Solange dieser Fall nicht vollständig aufgeklärt ist und mögliche Konsequenzen gezogen werden, werden wir Seite an Seite mit den Betroffenen für Gerechtigkeit kämpfen. Ein solcher Skandal darf sich nicht wiederholen", meint Foodwatch-Österreich-Leiterin Indra Kley-Schöneich zum ORF.

Marktamt führte 470 Kontrollen durch

Nach Bekanntwerden der Gefahr führte das Marktamt bisher in unterschiedlichsten Geschäften 470 Kontrollen durch. "Natürlich haben wir auch darauf geachtet, ob die Rückholaktionen stattgefunden haben oder nicht, oder ob vielleicht betroffene Chargen noch in den Regalen sind", berichtet der Sprecher des Marktamtes, Alexander Hengl.

Zusätzlich wurden bis jetzt 69 Proben genommen, um sicherzustellen, dass das gefährliche Bacillus-Cereus-Toxin nicht mehr vorkommt. Hengl gibt Entwarnung: "Ich kann da ein bisschen beruhigen. Bis jetzt gab es keine weiteren Beanstandungen. Wir haben als Marktamt festgestellt, dass es derzeit tatsächlich keine kontaminierte Babynahrung in Wien gibt."

Verschmutztes Öl aus China

Mehrere Hersteller, darunter große europäische Konzerne wie Nestle, Danone und Lactalis, haben seit Dezember 2025 weltweit in mehr als 60 Ländern Babynahrung zurückgerufen. Ursache ist ein als Zutat verwendetes, verschmutztes Öl eines Zulieferers aus China, das in den Milchpulvern verarbeitet wurde. Die Symptome treten meist innerhalb von sechs Stunden nach dem Verzehr des Pulvers auf.

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