Keine Zahlen mehr! Infektionen am 1. Lockdown-Tag geheim

Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu.
Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu.Waltraud Grubitzsch / dpa / picturedesk.com
Jetzt gibt es nicht einmal mehr die aktuellen Neuinfektionszahlen: Am Beginn des Ungeimpften-Lockdowns brachen die Systeme des Ministeriums zusammen.

Österreich versinkt am Höhepunkt der vierten Welle im totalen Pandemie-Chaos. Bundeskanzler und Gesundheitsminister widersprechen sich auf offener Bühne – und jetzt gibt es nicht einmal mehr die aktuellen Infektionszahlen. Wie "Heute" erfuhr, bewegen sich diese auch zu Beginn der neuen Woche auf extrem hohem Niveau. Ohne die Bundeshauptstadt Wien und das Flächenbundesland Steiermark sind es bereits 9.664 zusätzliche Positiv-Befunde am Montag.

Länder warteten auch am Sonntag

Warum es zu Mittag noch keine Werte für das gesamte Bundesgebiet gab, blieb offen. Wie "Heute" erfuhr, kommt es beim sogenannten EMS – dem elektronischen Meldesystem des Gesundheitsministeriums – zu "technischen Problemen". Das wurde zumindest den Bundesländern kommuniziert, die bereits am Sonntag bis nach elf Uhr auf Zahlenmaterial warten mussen – während sie im Corona-Gipfel mit dem Bund saßen. 

Bis wann die Panne behoben werden kann, vermochte man nicht zu sagen: "Die heutige Bundesländermeldung wird sich leider noch verzögern, da noch nicht alle Daten vorliegen", hieß es lapidar. Und weiter: "Der Abgleich mit dem EMS ist seit Samstagmittag in Überprüfung, da es zu technischen Problemen kam."

Bereits Montagmorgen schockte man die Österreicher: Da schienen plötzlich weit über 22.000 (!) Neuinfektionen im EMS auf. Da diese Zahlen die beiden letzten Tage betrafen, wurden die Werte eilig zurückgezogen.

Da diese Doppelmeldungen ohne EMS nicht bereinigt werden können – dies erfuhr "Heute" auf Nachfrage – bleiben die Corona-Zahlen für Österreich so lange geheim. 

Schallenberg verteidigt Lockdown

Auch die für weitere politische Entscheidungen so wichtigen Spitalsbelegungen sind derzeit unbekannt. Und so schlittert das Land unter Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein ins komplette Corona-Desaster: Seit Mitternacht gilt in Österreich ein Lockdown für Ungeimpfte, rund zwei Millionen Menschen dürfen seit Punkt 0 Uhr die eigenen vier Wände nur noch aus bestimmten Gründen verlassen – dazu zählt etwa ein Arztbesuch, Einkäufe oder für einen Spaziergang.

 Streit? Schallenberg erteilt Mückstein-Plänen Absage

Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) hat am Montag im Ö1-Morgenjournal die neuen Lockdown-Maßnahmen verteidigt. Die jüngsten Corona-Verschärfungen hätten dazu geführt, das sich nun doch mehr Personen im Land gegen das Virus impfen lassen. Der neue Lockdown werde ebenfalls dazu beitragen.

Zuvor hatte Gesundheitsminister Mückstein am Sonntagabend in der "Zeit im Bild 2" mit einer Aussage aufhorchen lassen, wonach aufgrund der stark steigenden Zahlen in Österreich auch "Ausgangssperren für Geimpfte" am Tisch liegen würden. Einem solchen möglichen Szenario erteilte Österreichs Regierungschef aber eine Absage.

 Mückstein lässt Lockdown-Bombe für Geimpfte platzen

So setzen sich die Corona-Zahlen zusammen

Der Betrieb des Dashboards des Gesundheitsministeriums erfolgt durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und ist unter "covid19-dashboard.ages.at" abrufbar. Das Dashboard bezieht seine Daten ausschließlich aus dem Epidemiologischen Melderegister (EMS). Das EMS ist das offizielle Register, in welches von den Bezirksbehörden sowie von Labors eingetragen wird.

Das Bundesministerium für Inneres erhebt die Zahlen im Rahmen der Koordination des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements über tägliche Einmeldungen aus den Bundesländern. Diese Zahlen können Fälle enthalten, die im EMS noch nicht erfasst sind.

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