Die deutschen Flughäfen rechnen im Sommer wegen der anhaltenden Kerosinkrise mit Flugausfällen, die bis zu 20 Millionen Passagiere treffen könnten. Im schlimmsten Fall drohe an manchen Flughäfen "ein Kapazitätseinbruch von zehn Prozent", sagte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), der "Welt am Sonntag". "Hochgerechnet auf alle Flughäfen wären 20 Millionen Fluggäste betroffen", betonte er.
"Es ist zu befürchten, dass vor allem bei Low-Cost-Airlines und touristisch weniger bedeutsamen Destinationen weitere Flüge gestrichen werden", sagte der ADV-Geschäftsführer. Manche Ziele würden dann gar nicht mehr angeflogen, andere seltener und zu höheren Preisen.
Laut dem Flughafenverband drohen Flugausfälle nicht erst, wenn tatsächlich zu wenig Kerosin vorhanden ist, sondern schon vorher – und zwar wegen der hohen Treibstoffpreise. "Die Kerosinpreise sind seit mehr als zwei Monaten doppelt so hoch wie vor dem Krieg. Wir rechnen auch in den kommenden Monaten nicht mit einer Normalisierung", sagte Beisel. "Auch wenn Kerosin verfügbar ist, werden Airlines viele Flüge zu diesen Preisen nicht wirtschaftlich durchführen können."
Um die Folgen der Kerosinkrise abzufedern, fordern die Flughäfen staatliche Erleichterungen. "Kurzfristig braucht es eine Aussetzung der Luftverkehrssteuer, mittelfristig zumindest eine Halbierung", forderte Beisel.
Die Luftverkehrssteuer in Deutschland zählt laut ADV zu den höchsten in Europa und stellt eine große Belastung für den Luftfahrtstandort Deutschland dar.