Wer heute im Internet unterwegs ist, teilt sich das Netz längst nicht mehr nur mit anderen Menschen. Immer häufiger sind es künstliche Intelligenzen, Bots und digitale Assistenten, die Webseiten besuchen, Informationen abrufen und Inhalte verarbeiten. Eine Untersuchung des Technologieunternehmens Fastly zeigt nun, wie rasant diese Entwicklung voranschreitet – und welche Folgen sie für Unternehmen und das Internet insgesamt haben könnte. Demnach ist der KI-generierte Datenverkehr zwischen Jänner und Mai 2026 um rund 30 Prozent gestiegen.
Das Wachstum liegt damit etwa 6,5-mal höher als beim Datenverkehr, der von Menschen verursacht wird. Für die Experten ist das ein Zeichen dafür, dass sich das Internet grundlegend verändert. Laut der Analyse wird maschineller Datenverkehr zu einem festen Bestandteil des Internets. Dabei handelt es sich längst nicht mehr nur um klassische Bots, sondern auch um KI-Crawler, KI-Fetcher, digitale Agenten und Systeme, die über Programmierschnittstellen automatisch Daten austauschen.
Die Forscher betonen, dass nicht allein die Menge der Anfragen entscheidend sei. Viel wichtiger sei die neue Art, wie künstliche Intelligenz mit Webseiten, Anwendungen und digitalen Diensten interagiere. Unternehmen müssten deshalb ihre bisherigen Strategien überdenken. Besonders stark wächst der sogenannte KI-Fetcher-Traffic. Dabei rufen KI-Assistenten in Echtzeit Informationen aus dem Internet ab, um Fragen zu beantworten, Produkte zu vergleichen, Fakten zu überprüfen oder Aufgaben im Auftrag von Nutzern zu erledigen.
Daneben gibt es KI-Crawler. Sie durchsuchen das Internet systematisch und sammeln Inhalte, mit denen KI-Modelle aufgebaut oder aktualisiert werden. Beide Arten von Datenverkehr stellen laut Fastly sehr unterschiedliche Anforderungen an Server und Infrastruktur. Die Analyse zeigt außerdem, dass 51 Prozent aller KI-Anfragen direkt auf die ursprünglichen Server einer Website zugreifen. Bei menschlichen Besuchern liegt dieser Anteil bei weniger als 9 Prozent. Dadurch entstehen deutlich höhere Belastungen für Betreiber von Internetseiten.
Auch einzelne KI-Plattformen legen beim Datenverkehr kräftig zu. Besonders auffällig war laut der Untersuchung der mit Claude verbundene Traffic. Dieser stieg gegenüber Januar 2026 um mehr als 555 Prozent. Für Unternehmen stellt sich dadurch eine neue Frage: Soll der Zugriff durch KI-Systeme zugelassen oder eingeschränkt werden? Diese Entscheidung beeinflusst künftig nicht nur die technische Belastung einer Website, sondern möglicherweise auch ihre Sichtbarkeit in KI-gestützten Such- und Assistenzsystemen.
Die Untersuchung zeigt, dass Unternehmen unterschiedliche Wege einschlagen. In einem Fall blockierte ein großes Unternehmen einen plötzlichen Anstieg von KI-Fetchern vollständig. Ziel dürfte es gewesen sein, die Kontrolle über die eigenen Inhalte zu behalten. Ein anderes großes Unternehmen verzichtete hingegen auf eine Sperre. Dadurch nahm der KI-Traffic über mehrere Monate weiter zu. Nach Einschätzung von Fastly könnte dies langfristig die Sichtbarkeit bei KI-Diensten erhöhen und neue Möglichkeiten schaffen, von Nutzern gefunden zu werden.
"KI-Traffic verändert grundlegend, wie das Internet funktioniert", sagt Artur Bergman, Gründer und Chief Technology Officer bei Fastly. "Unternehmen bewegen sich weg von einer Welt, in der Menschen die primären Nutzer digitaler Erlebnisse sind. Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, Bots zu blockieren. Es geht darum zu verstehen, welche maschinellen Interaktionen beschleunigt, verwaltet, hinterfragt oder gestoppt werden sollten."
Nach Ansicht des Unternehmens entwickelt sich der Umgang mit KI-Traffic deshalb von einem reinen Sicherheitsproblem zu einer strategischen Geschäftsentscheidung. Entscheidend werde künftig sein, genau zu wissen, welche KI-Systeme auf Inhalte zugreifen, wie sie sich verhalten und welchen Nutzen oder welches Risiko sie mit sich bringen.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass künstliche Intelligenz das Internet nicht nur inhaltlich verändert, sondern zunehmend selbst zu einem der größten Nutzer des Netzes wird. Webseiten werden immer häufiger nicht mehr zuerst von Menschen besucht, sondern von Maschinen analysiert, verarbeitet oder im Auftrag von KI-Assistenten abgefragt.
Für Unternehmen bedeutet das neue Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnet der Wandel auch neue Möglichkeiten, wenn Inhalte künftig nicht mehr nur über klassische Suchmaschinen, sondern zunehmend auch über KI-Assistenten gefunden werden. Wie stark sich das Internet dadurch verändern wird, dürfte sich in den kommenden Jahren noch deutlicher zeigen.