Obwohl es offiziell nie bestätigt wurde, gilt die langjährige "Vogue"-Chefin Anna Wintour (76) als inoffizielles Vorbild für die ikonische Filmfigur Miranda Priestly aus "Der Teufel trägt Prada". Wie ehemalige Assistentinnen nun über den Arbeitsalltag an Wintours Seite berichten, scheint das auch alles andere als weit hergeholt.
Seit 1988 prägt Wintour die US-"Vogue" wie kaum jemand zuvor. Ausgerechnet sie sorgte damals mit einem Denim-Look auf dem Cover ihrer ersten Ausgabe als Chefredakteurin für einen Stilbruch in der Modewelt. Doch intern galten offenbar ganz andere Regeln: Jeans? Für ihre Assistentinnen tabu.
Besonders in den Büros in der 25. Etage des One World Trade Centers herrschte laut ehemaligen Mitarbeiterinnen ein strenger Dresscode. "In Annas Büro trägt jeder High Heels", erinnert sich Marley Marius im Podcast "The Runthrough with Vogue".
Doch der stressige Alltag machte Marius schnell einen Strich durch die Rechnung: "Es passiert so viel und manchmal muss man rennen." Deshalb wechselte sie nach kurzer Zeit zu flachen Schuhen. Wintour schien damit kein Problem zu haben, Hauptsache die Assistentin erschien niemals "in Turnschuhen". Das sei nämlich das eine ungeschriebene Gesetz, das niemand brechen darf.
Auch die zwei weiteren ehemaligen Assistentinnen, Sache Taylor und Sammi Tapper, packen im Podcast über ihre Zeit im innersten Zirkel der Mode-Ikone aus. Schon das Bewerbungsgespräch hatte es in sich: Standardfragen? Fehlanzeige. "Die Fragen waren persönlich", erinnern sich Tapper und Taylor.
"Der Tag beginnt wirklich früh", offenbart Marley. Wintour sei meist zwischen 4 und 5.30 Uhr aufgestanden und bereits gegen 8 Uhr im Büro gewesen. "Eine Assistentin bereitet ihren Kaffee und ihr Frühstück vor." Auch hier zeigt sich eine Parallele zum Film. Laut Tapper war Wintour "immer die erste Person im Büro".
Und auch nach Feierabend geht es weiter: Wintour arbeitet von zu Hause aus und gibt Feedback oft noch in derselben Nacht. Bedeutet: Auch das Team ist praktisch rund um die Uhr im Einsatz.
Auch Wintours Rückzug aus der "Vogue"-Chefredaktion bedeutet keineswegs das Ende ihrer Macht. Im Juni 2025 kündigte sie ihren Abschied an, im Dezember erschien ihre letzte Ausgabe. Dennoch bleibt sie als "Chief Content Officer" und "Global Editorial Director" beim Verlag Condé Nast tätig und damit weiterhin eine der einflussreichsten Figuren der Branche.