Was die Wienerinnen und Wiener zu sich nehmen, landet irgendwann im Abwasser – das gilt auch für Drogen. Das zeigt eine EU-Analyse, an der Wien seit 2022 mitmacht. Damals wurden rund 371 Milligramm Kokain pro 1.000 Einwohner im Wasser gemessen. Im Vorjahr waren es schon 595 Milligramm. Das ist ein Anstieg von 60 Prozent in den vier Jahren, in denen gemessen wurde.
Wie orf.at berichtet, sieht Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, den Grund für den Anstieg im höheren Reinheitsgrad des verkauften Kokains. "Die Daten eines Abwassermonitorings allein lassen noch keinen Rückschluss auf die Anzahl der Konsumentinnen und Konsumenten zu", so Lochner gegenüber wien.ORF.at.
Europaweit ist laut Experten der Preis für Kokain gesunken, gleichzeitig steigt die Akzeptanz des Konsums in verschiedenen Gruppen. Auch einmaliger Konsum kann schon gefährlich sein, warnt Lochner. Er verweist auf die Drogenberatungsstelle "checkit!", wo du deine Drogen überprüfen lassen kannst.
Bei "checkit!" zeigt sich der Trend ebenfalls: "Wir sehen auf jeden Fall eine Steigerung der Kokain-Proben, die bei uns abgegeben werden", sagt Anton Luf, Laborleiter von "checkit!", im "Wien heute"-Interview. Mittlerweile handelt es sich bei etwa 30 Prozent der abgegebenen Proben um Kokain. Damit hat das weiße Pulver die andere beliebte Partydroge Ecstasy beziehungsweise MDMA überholt. Das geprüfte Kokain hat mittlerweile einen durchschnittlichen Reinheitsgrad von etwa 90 Prozent, so Luf.
Der Kokain-Konsum steigt in Europa seit einem Jahrzehnt konstant an. Nach Cannabis ist Kokain die zweithäufigste illegale Droge in Europa. Fachleute machen unter anderem den gesättigten US-Markt, neue Transportwege und bessere Logistik dafür verantwortlich, dass Europa mit einer "Koksschwemme" zu kämpfen hat.
Im Vergleich der europäischen Hauptstädte liegt Wien bei der Kokain-Konzentration im Abwasser auf Platz neun und damit unter den Top zehn. Auch bei Crystal Meth ist Wien unter den Spitzenreitern. Betrachtet man ganz Österreich, liegt der Kokain-Konsum laut Herbert Oberacher, Studienleiter des österreichischen Abwassermonitorings, nur im europäischen Mittelfeld.
Im Jahr 2025 haben in Österreich 18 Kläranlagen bei der Abwasseranalyse mitgemacht, insgesamt wurden so rund 190 Gemeinden erfasst. In Wien wurden, wie schon in den Jahren davor, die Werte in der Hauptkläranlage Simmering gemessen.
Auffallend: Guntramsdorf ist im Bereich der Amphetamine Spitzenreiter in Österreich. In Ostösterreich war der Konsum von Amphetamin und Methamphetamin höher als im Westen. Die größten Pro-Kopf-Konsummengen wurden dabei eben in Guntramsdorf (Niederösterreich, Amphetamine) und Ried im Innkreis (Oberösterreich, Metamphetamine) nachgewiesen.
Im Österreich-Vergleich ist Wien aber nicht Spitzenreiter: Platz eins beim Kokain-Konsum belegt weiterhin deutlich die Tiroler Stadt Kufstein. Kokain ist generell in Westösterreich stärker verbreitet als im Osten. Wien ist hier eine Ausnahme. Bei Ecstasy (MDMA) und Crystal Meth liegt allerdings die Bundeshauptstadt vorne. Bei Alkohol und Nikotin gibt es kaum regionale Unterschiede.
Die europaweite Abwasserstudie hat nicht nur die generellen Konzentrationen verschiedener Drogenrückstände untersucht, sondern auch, an welchen Wochentagen besonders viel konsumiert wird. Durch die Messungen über jeweils eine Woche lassen sich Aussagen über das Konsumverhalten in den Städten treffen.
Die Abwasseranalysen werden in Österreich von der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt. Eine Woche lang wurden im März 2025 täglich Proben entnommen. Die angegebenen Rückstände beziehen sich auf die Abwassermenge, die 1.000 Menschen im Schnitt produzieren.
Für Wien zeigt sich ein ähnliches Muster wie in anderen europäischen Großstädten: Cannabis wird fast an allen Wochentagen ähnlich stark konsumiert, am Wochenende sogar teilweise etwas weniger. Ganz anders schaut es bei Kokain und vor allem bei MDMA (Ecstasy) aus: Diese beiden Substanzen werden vor allem am Wochenende genommen. Kokain und Ecstasy sind damit typische Wochenenddrogen, die vor allem im Partysetting und in der Freizeit verwendet werden.