Lockdown-Ende am 12.12.? Bitte versprecht uns nix mehr!

Endet die Politik der gebrochenen Versprechen? Ein Kommentar von Heute.at-Chef Clemens Oistric
Endet die Politik der gebrochenen Versprechen? Ein Kommentar von Heute.at-Chef Clemens OistricHelmut Graf, Sabine Hertel
Zwei Millionen Impf-Schnecken und ein Mutlos-Management trieben uns in den vierten Lockdown. Endet die Politik der gebrochenen Versprechen am 12.12.?

Jetzt also wieder Lockdown. Kein Dinner mehr mit den Liebsten. Kein Afterwork-Drink in der Bar. Kein Fußball für die Kleinen. Kein Workout für die Großen. Weihnachtsshopping? Weit weg.

Eltern, die ihre Kinder in die Schule bringen, werden schief angeschaut. Österreich – am 636. Tag der Pandemie. Ein Land in Geiselhaft von zwei Millionen wissenschaftsfeindlichen Impf-Schnecken. Einige von ihnen glauben sogar an Pfizer-Hubschrauber. Sie schützen sich mit Duschhauben – wovor auch immer. Zumindest Intelligenz regnete noch nicht sehr häufig auf diese Narren hinab.

Blanke Lügen oder Ahnungslosigkeit?

Wem wir nichts mehr glauben können, sind unsere Spitzenpolitiker. Unser Hausanwalt rät zwar stets dringend dazu, niemandem bewusstes Lügen zu unterstellen. Beim Blick ins Archiv bleiben jedoch nur zwei Varianten: Genau das. Oder völlige Ahnungslosigkeit. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll. Aber schauen wir gemeinsam:

"Die Impfung ist der Gamechanger. Mit ihr werden wir in Freiheit leben können."

Sebastian Kurz, 24.9.2021 in New York zu "Heute"Versprochen, gebrochen.

"Was ich fix sagen kann: Es wird sicher keinen Lockdown und keine Einschränkungen mehr für Geimpfte geben."

Sebastian Kurz, 24.9.2021 ebendort. Versprochen, gebrochen.

"Aus meiner Sicht ist die Pandemie für Geimpfte vorbei."

Sebastian Kurz, 24.9.2021 ebendort. Versprochen, gebrochen.

"Eine Impfpflicht wird es nicht geben."

Wolfgang Mückstein, 23.7.2021. Versprochen, gebrochen.

"Weil die Pandemie vorbei ist …"

Gernot Blümel, 13.10.2021 in der ZiB 2. Versprochen, gebrochen.

Es hätte gelindere Mittel gegeben

Dabei wäre es so einfach gewesen: Israel war bereits im Sommer Warnung für die Welt, dass es ohne dritte Dosis nicht gehen wird. Die Israelis zeigten auch vor: Mit breitflächigen Booster-Shots lassen sich auch bei einem beträchtlichen Teil an Impfgegnern die Neuinfektionen massiv drücken. Wir hätten 3G am Arbeitsplatz im September einführen können; eine Maskenpflicht bei Indoor-Settings. Oder das Impfen populär machen. Mit einer Lotterie (Hans Peter Doskozil) etwa oder einem Geld-Bonus (Harald Mahrer) – alles besser als nichts tun.

Wir stehen vor den Trümmern einer Mutlos-Politik

Haben wir natürlich nicht, schließlich musste Oberösterreich noch wählen. Jetzt stehen wir vor den Trümmern einer Mutlos-Politik, die sich nur noch mit Chatnachrichten und sich selbst beschäftigt hat. Vielleicht findet sich irgendwann ein Uni-Professor, der dem Virus "Storytelling" attestiert. Wir werden im Lockdown reichlich Zeit haben, das Machwerk durchzugehen.

Zumindest die Länderchefs handeln

Dass das Corona-Desaster nun zwar 1,5 Milliarden Euro (pro Woche!) kostet, aber hoffentlich nicht noch mehr Menschenleben, haben wir umsichtigen Länderchefs zu verdanken. Michael Ludwig, Hans Peter Doskozil und Hermann Schützenhöfer. Sie beendeten das würdelose Herumgeeiere von Schallenberg und Mückstein am Donnerstag, obwohl ihre Länder noch vergleichsweise günstig dastehen.

Neo-Kanzler Alexander Schallenberg wird indes nicht müde zu betonen, dass der Spuk für Geimpfte am 13.12. zu Ende sein soll. Schon Wolfgang Mückstein wollte das Sonntagabend in der ZiB 2 so deutlich nicht aussprechen.

Haltet nur einmal Wort!

Dann spreche ich es jetzt aus: Bitte versprecht uns nix mehr. Überrascht uns, indem ihr einmal Wort haltet. Kleiner Hinweis noch am Rande: Die Intensivbelegungen haben 14-20 Tage Nachlauf. Wann der Höchststand dieser vierten Welle in den Spitälern für Überstunden sorgen wird, ist jetzt simple Mathematik. Werden Sie dann aufsperren, Herr Bundeskanzler? Dürfen Voll-Geimpfte – viele von ihnen auch geboostert – dann Geschenke kaufen, Punsch trinken oder mit Freunden beim Wirten feiern? Oder sagen Sie uns in 20 Tagen wieder: Sorry, es hat halt nicht gereicht, das haben die Experten so nicht vorhergesehen? Glauben wird Ihnen das niemand.

WIE ES ZUM LOCKDOWN KAM: Die Backstage-Analyse von Christian Nusser >>

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