Life

Krebs-Kachexie kommt aus Leber

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:05

Forscher haben offenbar jenen Mechanismus identifiziert, der vor allem im Spätstadium bösartiger Erkrankung zur Auszehrung (Kachexie) führt. Das wird offenbar über die Leber gesteuert.

Viele Krebspatienten verlieren im späteren Verlauf der bösartigen Erkrankung in dramatischem Ausmaß Fett- und Muskelmasse. Diese extreme Auszehrung (Kachexie) ist sogar häufig die eigentliche Ursache von Krebstodesfällen.

Genschalter

Die Wissenschafter entdeckten nun an Mäusen, dass Tumoren die Produktion eines zentralen Genschalters in der Leber anregen. Die Aktivität des Schalters senkt den Blutfettspiegel, sodass die Tiere abmagern.

Krebskranke Mäuse, so entdeckten die Forscher, haben einen extrem niedrigen Blutfettspiegel - damit fehlt ihrem Körper die wichtigste Energiequelle. In der Leber selbst lagern sie dagegen Fett ein. Die niedrigen Blutfettwerte kommen dadurch zustande, dass die Leber der kranken Tiere nur noch sehr wenig VLDL (very low density lipoprotein) ausschüttet - dieses Lipoprotein ist das Vehikel, das Fette im Blut transportiert. Darüber hinaus sind in der Leber krebskranker Mäuse die Gene für alle wichtigen Schritte der Fettsynthese blockiert.

Das ist ein deutlicher Hinweis, dass ein zentraler Genschalter in der Leber die Kachexie antreibt, so ein Forscher. Dabei handelt es sich um das Protein TSC22D4, das in der Leber krebskranker Mäuse in größerer Menge vorkommt als bei gesunden Artgenossen.

Das Team wies nach, wie wichtig die Rolle von TSC22D4 bei der Entstehung einer Kachexie ist: Die Forscher legten den Schalter spezifisch in der Leber der Tiere still. Daraufhin bildete das Organ wieder ausreichend VLDL, sodass der Blutfettspiegel der kranken Tiere anstieg. Außerdem wurden die an der Fettsynthese beteiligten Gene wieder angekurbelt. "Unsere Ergebnisse belegen zum ersten Mal, dass der dramatische Verlust an Körpermasse zentral von der Leber reguliert sein könnte", so ein Wissenschafter.

Das funktioniere auch beim Menschen so. Erste Hinweise sprechen dafür, dass man in diese Abläufe eingreifen könnte.

Unter Kachexie leiden je nach Tumorart bis zu 70 Prozent aller Krebspatienten. Kennzeichnend dafür ist dramatischer Gewichtsverlust, der unabhängig von der Nahrungsaufnahme auftritt. Besonders häufig und auch besonders stark betroffen sind Patienten mit Krebserkrankungen des Verdauungstrakts und der Lunge. Hier kann es zu einem Verlust von bis zu 80 Prozent des Körperfetts und der Skelettmuskelmasse kommen.

Der Schwund der Muskulatur macht die Kranken schwach und immobil und verschlechtert das Ansprechen auf die Therapie. Geschätzte 20 Prozent der Krebstodesfälle gelten als direkte Folge der Kachexie, häufige Todesursache ist ein Versagen der Atemmuskulatur.

 

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen