Delikte im Bildungsbereich

Kriminalität: 28 Verdächtige sind unter 10 Jahre alt

Das Innenministerium gab die Kriminalstatistik für Schulen bekannt. Bedenklich: 28 Tatverdächtige waren in NÖ unter 10 Jahre alt.

Sarah Marie Piskur
Kriminalität: 28 Verdächtige sind unter 10 Jahre alt
Straftaten nahmen in Niederösterreichs Schulen seit 2021 stark zu. Im Vergleich zu 2019 ist der Anstieg jedoch gering
(Symbolbild) Getty Images/iStockphoto

Der Nationalratsabgeordnete Hannes Amesbauer (FPÖ) brachte Ende März eine parlamentarische Anfrage ein und wollte wissen, wie es um die Kriminalität an österreichischen Schulen in den Jahren 2021 bis 2023 stand. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) beantwortete diese Anfrage nun mit einer ausführlichen Kriminalstatistik, aufgeschlüsselt für ganz Österreich, die einzelnen Bundesländer und Bezirke, Altersgruppen und Fremdenstatus der Tatverdächtigen sowie Art der Delikte.

Dramatischer Anstieg seit 2021

Auf den ersten Blick verheißen die Zahlen nichts Gutes für Kinder und Jugendliche in österreichischen Bildungseinrichtungen. So gab es im ganzen Land seit 2021 bei Straftaten in Schulen einen Anstieg von 43,8 Prozent – in reinen Zahlen wurden 2021 noch 3.363 Straftaten und 2023 bereits 5.984 Straftaten in Bildungseinrichtungen verübt. Traurige Spitzenreiter sind hier das Burgenland mit einem Anstieg von 71,64 und Wien mit 50,21 Prozent. Niederösterreich liegt hierbei im unteren Mittelfeld und reiht sich mit einem Anstieg von 39,16 Prozent zwischen der Steiermark (39,61 Prozent) und Tirol (37,74 Prozent) ein. Gab es in Niederösterreich 2021 noch 536 Delikte in Schulen und Bildungseinrichtungen, stieg die Zahl 2023 bereits auf 881 Straftaten an.

Spitzenreiter Mödling

Die meisten Delikte an Niederösterreichs Schulen gab es im vergangenen Jahr in Mödling (105), gefolgt von der Stadt St. Pölten und Baden (beide 72), sowie Gänserndorf (59). Schlusslicht bilden die Bezirke Waidhofen an der Ybbs (8), Gmünd(5) und Schwechat (4). Im Vergleich zu 2021 gab es nur in zwei Bezirken einen Rückgang bei den Straftaten. So etwa in Mistelbach, wo die Anzahl der Delikte um 18,18 Prozent sank und in Schwechat – hier sanken die Straftaten von zehn auf vier.

Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben gab es 2023 in NÖ insgesamt 196, die meisten davon in Baden (32). Zwölf Delikte weist die Statistik für "Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung" aus. Besorgniserregend dabei: Knapp ein Viertel aller verübten Delikte im Vorjahr (212 von 881) wurden von unter 14-Jährigen und somit strafunmündigen Kindern verübt – 28 davon fallen dabei auf unter 10-Jährige.

Pandemie-Jahre: Weniger Kriminalität an Schulen

Bereits 2021 sah sich der Innenminister einer ähnlichen Anfrage von Amesauer gegenüber. Damals war der heutige Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) der zuständige Minister. Auch er beantwortete die Anfrage detailliert und lieferte Zahlen an den Nationalrat und die Öffentlichkeit. Im Vergleich zeigt sich auch gegenüber dem Jahr 2020 ein deutlicher Anstieg der Straftaten von 3.831 (2020) zu 5.984 (2020) in ganz Österreich.

Allerdings handelt es sich bei den Zahlen aus 2020 und 2021 um Daten, die aus den intensivsten Jahren der Coronapandemie stammen. In dieser Zeit war die Schulzeit aller Kinder und Jugendlichen von Distance-Leaning und Co geprägt. Demnach gab es auch weniger Möglichkeiten, im schulischen Kontext mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Insgesamt geringer Anstieg in Niederösterreich

Verglichen mit dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 stiegen die Straftaten an österreichischen Schulen um nur 1,20 Prozent an. In Niederösterreich gibt es im 2019 Vergleich ein Anstieg um 3,18 Prozent von 853 zu 881 Straftaten.

In diesem Zeitraum konnten vier der neun Bundesländer sogar einen Rückgang der Straftaten in Bildungseinrichtungen verzeichnen. Spitzenreiter ist hier die Steiermark: Im Vergleich zu 2019 sank die Anzahl der Delikte um rund 19 Prozent. In Salzburg, Kärnten und Tirol wurden jeweils rund 10 Prozent weniger Straftaten verzeichnet, während im Burgenland die Kriminalität seit 2019 am stärksten anstieg (18,7 Prozent), gefolgt von Oberösterreich (11,5 Prozent) und Tirol (8,3 Prozent).

Obwohl 2023 in Wien die mit Abstand meisten Straftaten in Schulen und Bildungseinrichtungen verübt wurden (1.932), zeigt die Statistik seit in Bezug auf 2019 einen vergleichsweise geringen Anstieg der Straftaten (6,7 Prozent). Damit landet die Bundeshauptstadt gemeinsam mit NÖ im Mittelfeld.

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    Auf den Punkt gebracht

    • Die Kriminalität an österreichischen Schulen ist seit 2021 dramatisch angestiegen, wobei die Zahl der Straftaten um 43,8 Prozent zugenommen hat
    • Besonders besorgniserregend ist, dass 28 Tatverdächtige unter 10 Jahre alt waren
    • Die meisten Delikte in Niederösterreich wurden in Mödling verzeichnet, während die Gesamtzahl der Straftaten in Schulen im Vergleich zu 2019 nur um 1,20 Prozent gestiegen ist
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