Perfekt aussehen, perfekt wirken, perfekt funktionieren. Was in sozialen Medien längst zum Alltag geworden ist, macht Franz Josef Baur nun zum Thema seiner Kunst. In seinem aktuellen Projekt "The Cult of Perfection" beschäftigt sich der Konzeptkünstler mit der Frage, was unser Streben nach einem vermeintlich idealen Körper eigentlich mit uns macht.
Dabei geht es nicht nur um Schönheit. Baur setzt den Körper vielmehr als Projektionsfläche für Erwartungen, Rollenbilder und Identität ein. Seine fotografisch-performative Arbeit bewegt sich bewusst zwischen Stärke und Verletzlichkeit sowie zwischen klassischen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit.
Für Baur ist der Körper längst mehr als nur etwas Privates. Er ist zur Visitenkarte geworden, zum Zeichen für Disziplin, Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung. Doch genau darin sieht der Künstler ein Problem. Je stärker Menschen versuchen, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, desto mehr droht das Eigene verloren zu gehen.
Was zunächst wie eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen begann, wurde für Baur während der Arbeit zunehmend persönlich. "Ich war und bin selbst Teil dieses Kults. 'The Cult of Perfection' ist kein Urteil über andere, sondern eine Abrechnung mit mir selbst."
Baur zeigt damit nicht mit dem Finger auf andere, sondern stellt sich selbst mitten hinein in jene Welt, die er kritisiert.
Fotografiert wurde die Serie von Hilde van Mas, die Baurs Performance bildlich umgesetzt hat. Im Wesentlichen stellt das Projekt eine unbequeme Frage: Wie viel von dem, was wir nach außen zeigen, sind tatsächlich wir selbst und wie viel davon ist für andere gebaut?
"Vielleicht ist der radikalste Akt unserer Zeit, nicht perfekt werden zu wollen. Vielleicht besteht die größte Freiheit darin, den Mut zu haben, einfach Mensch zu bleiben", so Baur.
Für Baur führt der Weg weg vom Perfektionsdruck vor allem über einen anderen Blick auf sich selbst. "Die radikalste Form der Liebe ist die Selbstliebe. Der schönste Mensch ist nicht der perfekte, sondern der, der den Mut hat, er selbst zu sein."
Mit "The Cult of Perfection" liefert er keine Hochglanz-Hommage an den perfekten Körper. Vielmehr zerlegt er genau jenes Ideal, dem heute so viele Menschen hinterherlaufen und stellt am Ende eine Frage, die weit über Kunst hinausgeht: Wie frei sind wir eigentlich noch, wenn wir ständig versuchen, perfekt zu sein?