Großer Preis, klare Worte: Der frühere Salzburger-Festspiele-Intendant Markus Hinterhäuser wurde am Dienstagabend beim Österreichischen Musiktheaterpreis in Wien mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Seine Dankesrede nutzte der 68-Jährige für einen Seitenhieb auf die Politik: "Die Kunst ist so viel größer als der Kleingeist der Politik."
Erst im März hatten sich die Salzburger Festspiele nach langen Diskussionen über seinen Führungsstil und Alleingänge von Hinterhäuser getrennt. An der Entscheidung war auch die Politik beteiligt, da Stadt und Land Salzburg im Kuratorium vertreten sind.
Die Jury würdigte Hinterhäuser nun für seinen "Mut zum Ungewöhnlichen", seine programmatische Weitsicht und sein Gespür für außergewöhnliche Künstler. Die Laudatio hielt Schriftsteller Christoph Ransmayr.
Auch der ehemalige Grazer Opernintendant Ulrich Lenz rechnete mit der Kulturpolitik ab. Es gebe Entscheidungsträger, denen die Qualität der künstlerischen Arbeit "blunzenwurscht" sei, sagte er. Stattdessen würden kurzfristige Einsparungen zum eigenen Machterhalt beschlossen.
Bei der Gala in der Wiener Votivkirche wurden zahlreiche weitere Opernstars geehrt. Asmik Grigorian gewann als beste weibliche Hauptdarstellerin, Michael Spyres als bester männlicher Hauptdarsteller. Sopranlegende Anja Silja erhielt den Preis für ihr Lebenswerk.
Auch Salzburg räumte ab: Das Mozart-Projekt "Zaide" wurde zur besten Oper gekürt. Insgesamt holten die Salzburger Festspiele ebenso wie die Volksoper Wien jeweils drei Auszeichnungen. Damit wurde die Gala nicht nur zum Fest für die Musiktheater-Szene, sondern auch zur Bühne für deutliche kulturpolitische Botschaften.