Bitte kein Trinkgeld! Was in der Gastro sonst kaum vorstellbar ist, sorgt aktuell in Wien für erstaunte Blicke. In einer Filiale von "Dean & David" in der Millennium City in der Wiener Brigittenau hängt ein ungewöhnlicher Hinweis direkt an der Theke – mit einer klaren Ansage an die Kunden: KEIN Trinkgeld. Das ist der Grund.
Der Grund ist eine neue Regelung, die seit 1. Jänner 2026 gilt: die sogenannte Trinkgeldpauschale. Heißt konkret: Trinkgelder müssen nicht mehr einzeln erfasst werden. Stattdessen wird ein fixer Betrag pro Monat für die Sozialversicherung berechnet – egal, wie viel tatsächlich in der Kassa landet. Für viele Betriebe klingt das zunächst nach Erleichterung. Doch es hat einen Haken.
Es gibt fixe Monatsbeträge wie zum Beispiel ca. 65 € für Servicekräfte mit Inkasso, die als Grundlage für die Beiträge dienen – unabhängig davon, wie viel Trinkgeld tatsächlich eingenommen wird.
Das Ziel: weniger Bürokratie und mehr Rechtssicherheit. Betriebe und Mitarbeiter müssen keine Nachzahlungen mehr fürchten, solange die Pauschalen korrekt angewendet werden. Wichtig: Das Trinkgeld selbst bleibt steuerfrei, wird aber durch die Pauschale in die Sozialversicherung einbezogen.
Im Gespräch mit "Heute" bestätigten sowohl die Filialleitung als auch ein Mitarbeiter die Kein-Trinkgeld-Regelung. "Uns wurde erklärt, dass sonst Steuern anfallen", so die Filialleiterin. "Es zahlt sich durch das Gesetz ohnehin nicht aus, weil bei uns nur wenig Trinkgeld zusammenkommt", schildert auch ein Mitarbeiter. Seit rund einem Monat steht das Schild bereits auf der Theke. Wie die Kunden auf die ungewöhnliche Bitte reagieren, bleibt vorerst offen.