Kurz an Nation: "Daher muss ich Ihnen leider sagen …"

Sebastian Kurz bei der Rede an die Nation am Wiener Heldenplatz
Sebastian Kurz bei der Rede an die Nation am Wiener HeldenplatzPicturedesk
Bundeskanzler Sebastian Kurz richtete am Montag eine nachdenkliche Rede an die Nation. Er verkündete der Bevölkerung einige unangenehme Wahrheiten.

Royalblauer Anzug, rot-weiß-roter Mund-Nasenschutz, sorgenvolle Miene. Bundeskanzler Sebastian Kurz hielt am Montag die erste Nationalfeiertagsansprache in seiner zweiten Amtszeit als Regierungschef. Österreich befindet sich aufgrund der Corona-Pandemie in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Dies sei eine "echte Herausforderung", so Kurz, der eingangs die Errungenschaften der Vergangenheit ("Die zweite Republik ist eine große Erfolgsgeschichte") hervorhob. "Es gibt viel, wofür wir dankbar sein sollten", befindet der Kanzler. Er spricht explizit die Unterstützung internationaler Partner, die stabile Demokratie, den Zusammenhalt in der Bevölkerung, den Sozialstaat und die harte Arbeit der Großeltern-Generation beim Wiederaufbau des Landes an.

"Schwere Monate vor uns"

Dann kam er auf "die Krise" zu sprechen, die "seit mehr als 8 Monaten unser öffentliches Leben dominiert". Sebastian Kurz: "Sie schadet unserer Wirtschaft und schränkt unser Privatleben massiv ein. Durch einen gemeinsamen Kraftakt sind wir bisher verhältnismäßig gut durch diese Krise gekommen. Aber es liegen noch schwere Monate vor uns und ich weiß, dass das für uns alle nicht einfach ist."

Sebastian Kurz: "Mir als Regierungschef geht diese Situation sehr nahe."

Dann fand der 33-Jährige höchst emotionale Worte für den gegenwärtigen Zustand – mit täglich Tausenden Neuinfektionen, zusehends gefüllten Spitälern und Hunderttausenden Arbeitslosen: "Insbesondere mir als Regierungschef geht diese Situation sehr nahe. In der Pandemie gibt es viele Zahlen und täglich neue Statistiken. Aber hinter all dem stehen Menschen und unzählige Schicksale. Wir wissen zum Beispiel alle, dass Social Distancing der richtige Weg ist, um Ansteckungen zu vermeiden. Für ältere Menschen bedeutet das aber oft, dass sie nur noch eingeschränkt besucht werden können, oder ihre Enkelkinder nicht mehr in den Arm nehmen dürfen."

"Das bedeutet Arbeitslosigkeit"

Die wirtschaftliche Situation sei ebenfalls "ein Drama", denn "einige Branchen sind mittlerweile total zum Erliegen gekommen", gesteht der VP-Chef ein. Insbesondere auch der für Österreich so wichtige Tourismus sei stark betroffen. Kurz: "Reisewarnung quer durch Europa bedeuten, dass sich manche Tourismusbetriebe überlegen, ob sie heuer überhaupt aufsperren. Und wenn der Betrieb zubleibt, dann bedeutet das Arbeitslosigkeit und Bedrohung der Existenz für ganze Regionen."

Bundeskanzler Sebastian Kurz: "Auch ich möchte keine Maske tragen müssen …"

"Ich muss daher leider sagen …"

"Ich weiß, diese Krise verlangt uns allen viel ab", brachte der Regierungschef die Stimmung in der Bevölkerung auf den Punkt – und nahm auch auf eine für Montag ankündigte Demo in Wien Bezug: "Unweit von hier werden heute wieder Corona-Gegner demonstrieren und zum gemeinsamen Maskenverbrennen aufrufen. Auch, wenn das nur eine kleine Minderheit ist, gibt es mittlerweile dennoch viele, die erschöpft sind, die von Corona nichts mehr hören können und die einfach nicht mehr wollen. Und Ihnen möchte ich als Staatsbürger sagen: Ich verstehe das. Auch ich möchte keine Maske tragen müssen, keine Einschränkungen erdulden und Feste feiern, wenn es mir gerade passt."

"Es ist alternativlos. Wer werden noch viele Monate mit dem Virus leben müssen."

Dann rang er sich zu unangenehmen Wahrheiten durch: "Als Regierungschef ist es nicht meine Aufgabe, Ihnen zu sagen, was Sie hören wollen, sondern Ihnen eine ehrliche Erläuterung zu geben. Und daher muss ich ihnen leider sagen: Es ist alternativlos. Wer werden noch viele Monate mit dem Virus leben müssen. Wir werden zusammenhalten müssen. Und wir werden durchhalten müssen, bis ein Impfstoff uns eine Rückkehr zur Normalität möglich macht."

"Werden wir nicht zulassen"

Den Corona-Verharmlosern schrieb der Kanzler Folgendes ins Stammbuch: "Ja, es stimmt, dass eine Corona-Infektion für viele sehr mild verläuft, dass viele gar keine Symptome haben. Aber, es stimmt auch, dass ein bestimmter Prozentsatz der Erkrankten einen so schweren Verlauf hat, dass sie intensivmedizinische Betreuung brauchen. Und wir können und werden es nicht zulassen, dass unsere Intensivkapazitäten überfordert werden und Menschen in Österreich nicht mehr versorgt werden können." Ein zweiter Lockdown bleibe die Ultima Ratio, sagte Kurz zuvor beim Pressefoyer. Mehr HIER >>

"Lassen Sie uns gemeinsam mutig und hoffnungsreich in die nächsten Monate gehen."

Auch wenn die nächsten Monate hart würden, sollen wir uns daran erinnern, "dass diese Krise nicht von Dauer, sondern ein Ende absehbar ist". In Anlehnung an die Bundeshymne ("Mutig in die neuen Zeiten") appellierte der Kanzler am Ende seiner Ansprache an die Bevölkerung: "Lassen Sie uns gemeinsam mutig und hoffnungsreich in die nächsten Monate gehen. Auch, wenn diese Zeit keine einfache wird."

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