Kurz: "Meine Mutter ist extrem traurig und besorgt"

Bundeskanzler Sebastian Kurz.
Bundeskanzler Sebastian Kurz.HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
Gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz wird wegen des Vorwurfs der Falschaussage ermittelt. Nun hat der VP-Chef verraten, was seine Familie dazu sagt.

Die Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft (WKStA) hat die Ermittlungen eingeleitet und führt Bundeskanzler Sebastian Kurz als Beschuldigten. Er soll vor dem Ibiza-Untersuchungsausschuss drei Mal falsch ausgesagt haben - so der Vorwurf. Die Ermittler könnten sogar einen Strafantrag gegen den VP-Chef stellen, es dürfte wohl auch zu einer Anklage gekommen.

Bereits im "Heute"-Interview hatte Österreichs Regierungschef dabei klargestellt, dass er am 24. Juni 2020 nicht bewusst gelogen habe. "Nein, definitiv nicht. Ich habe immer versucht, die Wahrheit zu sagen und alle meine Erinnerungen mit dem Untersuchungsausschuss zu teilen. Ich muss dazusagen, dass die Themen, die hier behandelt werden, teilweise Jahre zurückliegen und nie Hauptthemen meiner Arbeit waren", so Kurz.

"Ich weiß, wie das Spiel funktioniert"

Der 34-Jährige übte dabei vor allem an der Atmosphäre im U-Ausschuss Kritik, hier würde mit "Suggestivfragen und Unterstellungen" operiert werden. "Es wird einem jedes Wort im Mund umgedreht und mit Anzeigen nachgearbeitet. Das ist aus meiner Sicht nicht die beste politische Kultur, die hier entstanden ist", so der Bundeskanzler im Gespräch mit "Heute". Einen Grund für einen Rücktritt sehe er nicht.

In einem Interview mit der "Kronen Zeitung" hat sich Kanzler Kurz nun ebenfalls zu den Vorwürfen und Ermittlungen der WKStA geäußert. Und dabei stellte der VP-Chef unmissverständlich klar: "Ich weiß, wie das Spiel funktioniert. Man schickt so lange Anzeigen - mal offen, mal anonym - an die Ermittlungsbehörden, bis diese irgendwann ein Verfahren einleiten. Man macht es mit einem Ziel: Mich aus dem Amt zu befördern."

Im Gespräch mit Star-Interviewerin Conny Bischofberger erklärte Österreichs Kanzler dabei noch einmal, dass er im U-Ausschuss erstens " nicht die Unwahrheit gesagt habe" und "zweitens schon gar nicht vorsätzlich". Er halte U-Ausschüsse aber "prinzipiell" für wichtige Instrumente in einer Demokratie. Aber: "Wenn das einzige Ziel ist, jemanden so lange in ein Streitgespräch zu verwickeln, bis man ihm dann am Ende das Wort im Mund umdrehen und eine Falschaussage herauslesen kann, um das dann bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, dann geht es doch in erster Linie darum, den politischen Gegner fertig zu machen", so Kurz gegenüber der "Kronen Zeitung".

"Ich weiß, was ich getan habe und was ich nicht getan habe"

Der Regierungschef wisse zudem genau, "was ich getan habe und was ich nicht getan habe". Er selbst rechnet aber offenbar sogar mit einer Anklage. "Nachdem hier auf 58 Seiten jedes Wort von mir auf die Waagschale gelegt wird, rechne ich durchaus mit einem Strafantrag, das ist richtig", erklärt der 34-Jährige gegenüber der "Krone". Einen Einvernahme-Termin gebe es aber noch nicht, einen Anwalt habe er ebenfalls noch keinen. "Nein, nachdem ich mir nichts zuschulden habe kommen lassen, habe ich mich mit dieser Frage noch gar nicht beschäftigt. Aber ich werde mich wohl beraten lassen", so Kurz weiter.

"Meine Mutter sagt, sie hätte sich für mich etwas anderes gewünscht als die Politik und diesen Umgang."

Doch was sagt eigentlich seine Familie zu den Ermittlungen und Vorwürfen gegen ihn? Dazu sagt Kurz in der "Krone": "Mein Vater ist ganz unbeschwert und sagt, das kann er alles nicht ernst nehmen. Meine Mutter ist extrem traurig und besorgt. Sie sagt, sie hätte sich für mich etwas anderes gewünscht als die Politik und diesen Umgang. Meine Freundin verfolgt normalerweise tagespolitische Debatten nicht. Aber jetzt ist sogar sie mit eingestiegen und hat gesagt, das darf man sich einfach nicht gefallen lassen."

"Bin ein Mensch, wie jeder andere"

Auf die Frage, was er sich selbst vorzuwerfen habe, antwortete der Kanzler: "Ich bin ein Mensch wie jeder andere. In meiner Funktion trifft man Hunderte Entscheidungen. Ich treffe daher jeden Tag auch Fehlentscheidungen. Und ich habe viele Dinge in meinem Leben auch falsch gemacht, privat wie beruflich. Ich bin jemand mit Ecken und Kanten, aber klaren Meinungen. Die kann man mögen oder nicht. Über die soll man diskutieren. Ich mag den politischen Diskurs, aber ich lasse mir nicht etwas vorwerfen, das ich nicht getan habe.

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