Kurz verrät: "Es ist nicht überraschend, dass..."

Bundeskanzler Sebastian Kurz.
Bundeskanzler Sebastian Kurz.Screenshot/ ORF
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) äußerte sich am Montag in einer "Zeit im Bild Spezial" zur Corona-Schutzimpfung in Österreich.

Laut dem Gesundheitsministerium haben in Österreich aktuell (Stand 25. April) exakt 2.045.677 Personen – also 27,16 Prozent der impfbaren Bevölkerung – mindestens eine Corona-Schutzimpfung erhalten. 781.936 Menschen im Land, das sind 10,38 Prozent, haben einen vollständigen Impfschutz. Im Schnitt wird dabei alle 1,8 Sekunden eine Corona-Impfung verabreicht.

Die erste Lieferung der vorgezogenen Biontech/Pfizer-Dosen ist bereits auf dem Weg und soll schon am morgigen Dienstag eintreffen. Dann soll das Impf-Tempo in Österreich noch einmal deutlich einen Sprung nach oben machen. Rund 50.000 Personen werden im Land derzeit täglich geimpft. "Bis Mitte Mai werden im Land drei Millionen Menschen erstgeimpft sein", hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz unlängst mitgeteilt.

Der Impf-Fortschritt schreitet also immer weiter voran und bei den Corona-Tests wird Österreich von vielen Ländern gar als Vorbild genommen. Doch in den letzten Wochen und Monaten hat es für den Kurs der Regierung nicht nur viel Lob gegeben. Vor allem in Deutschland übte man an Kanzler Kurz oder dem Land Tirol und dessen Umgang mit dem Virus (Stichwort Ischgl) Kritik.

Doch wie groß ist das Image-Problem in Österreich wirklich? "Also das sehe ich überhaupt nicht so", erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag in einer "Zeit im Bild Spezial". "Mittlerweile hat es sich bis zum Letzten durchgesprochen, dass sich das Virus nicht in Österreich ausgebreitet hat. Es kann jeder beurteilen, dass es ein weltweites Phänomen ist und sich nicht nur in einem Ort entwickelt hat. Die ganze Welt hat damit zu kämpfen und die ganze EU ist hart getroffen worden."

"Menschen sind Corona-müde"

Laut dem VP-Chef sei Österreich bei den Impfungen aber unter den zehn besten Ländern der Welt "und wir haben die dritte Welle ganz gut unter Kontrolle bringen können." Auf die Frage, wie sehr das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung gelitten hat, stellte Kurz klar: "Es ist nicht überraschend, dass nach einem Jahr Pandemie die Debatte größer geworden ist und die Menschen Corona-müde sind."

Aber: "Von der Solidarität, die es am Anfang gab, ist aber nach wie vor viel übrig. Aber natürlich ist es für die Menschen schwieriger geworden, das auszuhalten", so Kurz in der "ZIB Spezial." Die Regierung habe aber stets gut zusammengearbeitet und habe oftmals auch schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen. "Manchmal gab es auch nächtliche Diskussionen, aber am Ende des Tages haben wir immer gemeinsam eine Linie gefunden."

Mit dem neuen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) verstehe er sich gut. "Unsere Zusammenarbeit verläuft gut und unkompliziert. Ich habe einen sehr positiven Eindruck und ich bin optimistisch, dass die Zusammenarbeit auch so weiterläuft."

"Richtige Moment, um Rückkehr in Normalität zu starten"

Angesprochen auf die kommenden Öffnungsschritte am 19. Mai stellte Kurz klar: "Wir haben immer gesagt, dass es einen großen Öffnungsschritt geben soll. Wir wollen nicht zwischen Kultur und Tourismus oder Gastronomie und Sport entscheiden. Die Schritte werden aber klarerweise mit strengen Sicherheitskonzepten erfolgen", so Kurz. Österreichs Regierungs-Chef findet aber Folgendes interessant: "Jedes mal bei Schließungen bekomme ich zu hören, ob ich nicht weiß, welche Schäden das etwa für die Wirtschaft bedeutet. Und jetzt wo wir öffnen, bekomme ich zu hören, es sei ein unnötiges Risiko."

Kurz stellt daher unmissverständlich klar: "Immer, wenn wir Öffnungsschritte setzen, dann steigen auch die Zahlen. Zum Zeitpunkt der Öffnung im Mai werden aber drei Millionen Menschen geimpft sein, darunter die älteren Personen sowie die Risiko-Gruppen. Es ist der richtige Moment, um eine Rückkehr in die Normalität zu starten. Es ist aber klar, dass es unterschiedliche Meinungen von Experten gibt, denn auch die Experten sind nicht immer einer Meinung."

Auf die Frage, was man von der Modellregion Vorarlberg gelernt hat, da dort die Infektionszahlen seit den Öffnungen deutlich gestiegen sind, antwortete Kurz: "Meine Erwartung war, dass die Ansteckungszahlen wesentlich schneller steigen. Die Öffnungen haben aber gut funktioniert." Man könne das Wachstum nämlich neben den Impfungen auch mit den vielen Corona-Tests bremsen. "Das Learning ist klar: Wenn Öffnungsschritte stattfinden, dann wachsen die Ansteckungszahlen. Aber man kann das Wachstum in Grenzen halten."

"Werden eine solide Sommersaison haben"

Laut dem VP-Chef gehe es aber nicht nur darum, auf den Wert der 7-Tages-Inzidenz zu schauen, sondern auch auf die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen. "Und in Vorarlberg ist die Zahl der Kranken auf den Intensivstationen stabil", so Kurz in der "Zeit im Bild Spezial."

Doch ist der hohe Inzidenz-Wert wirklich eine gute Werbung für den Tourismus? "Die beste Werbung machen schon die Unternehmen und Mitarbeiter selbst. Der Gast aus aller Welt kennt die Qualität in Österreich und wir werden eine solide Sommersaison trotz Pandemie haben. Wenn sie die Ansteckungszahlen auf Null haben wollen, dann müssen sie im Dauer-Lockdown verharren."

Bei Impf-Zeitplan liege man laut Kurz nicht nur im Plan, "sondern deutlich besser. Es sind bereits mehrere Bundesländer mit den Ü-65-Jährigen durch und wir werden im Mai alle über 50-Jährigen impfen können, die das möchten. Im Juni sind dann alle anderen Gruppen dran. Bis Ende Juni wird jeder eine Erst-Impfung bekommen haben, der auch geimpft sein möchte." Der Kanzler rechnet damit, dass man im Mai "über 60.000 Menschen pro Tag" impfen könne. "Im Juni noch mehr".

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