Es hatte schon etwas von WM. Mit komplettem Schiedsrichter-Gespann lief die iranische Fußball-Nationalmannschaft bei ihrem Trainingsspiel in das kleine Stadion in Antalya ein. Und auch wenn Hymne, Flagge und Zuschauer fehlten, erschien die Aufmachung der Partie im Vorbereitungscamp in der Türkei wie eine Probe des Endrunden-Ernstfalls. Doch ob das Team Melli wirklich bei dem in zwei Wochen beginnenden Turnier antritt, ist ähnlich fraglich wie der Start der Demokratischen Republik Kongo.
Die beiden Fragezeichen haben unterschiedliche Gründe: Dem Tross aus dem Kongo droht wegen der Ebola-Krise eine Isolation von 21 Tagen. Der Mannschaft des Iran wird von Co-Gastgeber USA vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges zwischen beiden Ländern offenbar die Beherbergung verweigert – was zu Konsequenzen bei der Quartierswahl geführt hat.
Die Iraner weichen von Tucson im US-Bundesstaat Arizona in die mexikanische Grenzstadt Tijuana aus – weil sie in den Vereinigten Staaten wohl nicht erwünscht sind. "Die USA wollen nicht, dass sich die iranische Nationalmannschaft auf ihrem Territorium niederlässt", sagte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum. Der Iran habe "daher gefragt: 'Können sie sich in Mexiko niederlassen?' Wir haben geantwortet: 'Ja, kein Problem.'"
Die FIFA bestätigte offiziell den kurzfristigen Umzug in die für Drogenbanden und Waffenschmuggel bekannte mexikanische Millionenstadt, trainiert wird im Centro Xoloitzcuintle. Laut Sheinbaum arbeiten die mexikanischen Behörden derzeit mit dem Weltverband die Details des Aufenthalts aus. Die FIFA muss noch einige Probleme lösen, damit tatsächlich alle qualifizierten 48 Teilnehmer beim XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada auch antreten.
Zum einen gibt es für das iranische Team immer noch offene Visa-Fragen, nachdem am vergangenen Donnerstag einige Spieler während des Türkei-Trainingslagers in der US-Botschaft in Ankara ihre Anträge eingereicht hatten. Zum anderen wird während des Turniers sicher auch eine Unterkunft in den Vereinigten Staaten nötig sein. Schließlich spielt das Team Melli sowohl gegen Neuseeland (16. Juni) als auch gegen Belgien (21. Juni) in Los Angeles und muss dann zum Vorrundenabschluss in Seattle gegen Ägypten (27.6.) ran.
Kaum vorstellbar, dass die Mannschaft zu diesen Partien immer erst kurzfristig am Spieltag anreist und unmittelbar danach schon wieder ins Base Camp nach Tijuana zurückkehrt. Außerdem bleibt die Frage, ob eine Teilnahme überhaupt im Sinne des Regimes in der Heimat ist. Rund um die WM-Partien drohen schließlich unvorteilhafte Bilder, falls es zu Demonstrationen und Protesten kommt. Ein freiwilliger Rückzug scheint weiter nicht ausgeschlossen.
Problematisch ist auch die Situation der Demokratischen Republik Kongo. Wegen des Ebola-Ausbruchs in ihrer Heimat soll sich die Nationalmannschaft nach Angaben der US-Regierung vor der WM für 21 Tage in Isolation begeben. Wenn das Team in die USA einreisen wolle, müssten sich alle Mitglieder für drei Wochen in einer "Blase" isolieren, sagte der WM-Verantwortliche des Weißen Hauses, Andrew Giuliani.
Das Team der DR Kongo will sein Quartier bei der zweiten WM-Teilnahme nach 1974 (als Zaire) eigentlich ab dem 11. Juni in der US-Metropole Houston aufschlagen. Oberste Priorität habe die "Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung, der teilnehmenden Teams und der Millionen Fans", sagte Giuliani. Da sich weder Trainer Sebastien Desabre noch ein nominierter Spieler zuletzt in der Heimat aufgehalten hatten, dürfte das Problem aus Mannschaftssicht aber lösbar sein.
Lediglich auf eigene Fans wird die DR Kongo wohl verzichten müssen.