KZ nachgebaut – Extremisten verbreiten Hass via Games

Nachgebaute Konzentrationslager und Aufrufe zu Rassismus – das haben Forschende der BBC bei einer Untersuchung von Online-Games entdeckt.

Forschende des News Programms "Click" der BBC haben während drei Monaten eine Studie im Online-Gaming-Raum durchgeführt. Dabei haben sie gezeigt, dass Extremistinnen und Extremisten vermehrt die Plattformen nutzen, die solche Games wie "Minecraft" oder "Call of Duty" bieten, um ihre radikalisierte Weltanschauung an ein größeres Publikum zu bringen. Problematisch ist dies unter anderem, weil die Zielgruppe, die dabei angestrebt wird, häufig junge Menschen sind.

Meist beginne dies mit einem normalen Gespräch zu alltäglichen Belangen, dabei würden aber immer wieder extremistische Narrative eingeschleust. Häufig komme es auch zu Einladungen zu einschlägigen und privaten Telegram-Kanälen.

Konzentrationslager in "Roblox"

"Nachdem man auf diese Art und Weise in diese Welt hineingezogen wurde, beginnt die Radikalisierung", so Joe Mulhall von der Organisation Hope Not Hate zur BBC. Denn dann würde man auch außerhalb der Gaming-Welt immer mehr mit einbezogen, zu Treffen eingeladen und Freundschaften würden geschlossen. "Dabei werden schließlich politische Themen besprochen und die Gespräche werden immer expliziter."

Beim Entwicklerstudio von "Call of Duty" sei man sich des Problems bewusst. "Wir sperren immer wieder Spielerinnen und Spieler, die ihren Charakteren beispielsweise rassistische oder hassorientierte Namen geben. Außerdem wollen wir es für die Spielerinnen und Spieler so einfach wie möglich machen, beleidigendes oder verletzendes Verhalten während des Games zu melden."

Dass solche Mechanismen nicht immer greifen, zeigen aber Beispiele aus Games wie "Roblox". Dort haben die BBC-Forschenden laut ihrem Bericht ganze Welten gefunden, die von Spielerinnen und Spielern gebaut wurden, die rassistische oder hasserfüllte Themen aufgreifen. So haben sie beispielsweise ein nachgebautes Konzentrationslager gefunden, in dem die Spieler ihre rassistischen Fantasien auslebten.

Abwanderung von Social Media

Bei "Roblox" selbst heißt es zwar, dass man unablässig daran arbeite, mithilfe von Machine Learning und einem Team von mehr als 2000 Moderatoren das Spiel zu überwachen, wie solche Beispiele zeigen, gelingt es Spielerinnen und Spielern aber immer wieder, das System auszutricksen.

Wie die Forschenden beschreiben, sei ein Grund, weshalb Extremistinnen und Extremisten immer häufiger auf solchen Plattformen anzutreffen seien, dass die Unternehmen hinter den sozialen Medien wie Instagram oder Facebook in den letzten zwei Jahren verstärkt gegen Extremismus auf ihren Seiten vorgegangen sind. Wenn der Extremismus dort weniger Platz findet, verschiebt er sich in ein anderes Feld.

Das sei besonders gefährlich, so Mulhall. "Solche Nachrichten erreichen Personen, wenn sie zu Hause sind und Games spielen. Das gibt ein Gefühl der Normalität. Betroffene glauben gar nicht, in etwas Extremes oder Gefährliches abzurutschen." Daher rufen Expertinnen und Experten wie Mulhall dazu auf, jetzt mehr denn je dafür zu sorgen, dass solche radikalen Äußerungen und Aktionen online keinen Platz finden.

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