Zitternd sitzt der 26-Jährige im Schwurgerichtssaal am Landesgericht Feldkirch (Vbg.): der junge Mann weint, ringt um Worte. Es geht um einen Unfall, bei dem eine 57-jährige Frau auf dem Bodensee ihr Leben verlor. Nun räumt der Dornbirner erstmals ein, dass er im entscheidenden Moment nicht auf den See geschaut habe.
Am 11. Oktober 2025 war der junge Mann mit seinem Motorboot vor Fußach unterwegs. Es kam zur Kollision mit einem Segelboot. Die 57-jährige Frau starb, ihr Ehemann überlebte schwer verletzt. Für den Angeklagten geht es um einen Mordvorwurf. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord, versuchten Mord und Gefährdung der körperlichen Sicherheit vor.
Das Problem: Der 26-Jährige hätte laut Anklage mehrere Minuten Zeit gehabt, das Segelboot zu erkennen und zu reagieren. Im ersten Verfahren hatte er allerdings immer wieder betont, den See aufmerksam beobachtet zu haben. Genau diese Aussage wurde ihm nun zum Verhängnis.
Jetzt korrigiert der Angeklagte seine damaligen Angaben, die er laut eigener Aussage nur getätigt hatte, da sein ehemaliger Verteidiger ihm dazu geraten habe. Er gibt nun zu, dass er während der Fahrt sein Handy benutzt hatte. Er habe Fotos verschickt und sich mit den anderen Personen an Bord unterhalten. Auch einen Liegeplatz in Konstanz habe er über das Handy buchen wollen.
"Ich habe mich umgedreht" … Die Stimme des Angeklagten bricht. Kurz darauf sagt er laut dem ORF: "Ich habe nicht permanent auf den See geschaut." Bei der Kollision habe er den Seeraum nicht im Blick gehabt, erklärt er auf Nachfrage des Richters.
Schuldig im Sinne der Mordanklage fühlt er sich dennoch nicht. Für den Unfall übernimmt er aber die Verantwortung.
Seine neue Verteidigerin spricht von einem schrecklichen Unfall, der durch Unachtsamkeit passiert sei. Sie macht zudem den früheren Verteidiger des Angeklagten für dessen damalige Aussagen mitverantwortlich. "Aus meiner Sicht geht es nicht darum, warum er damals nicht die Wahrheit gesagt hat. Es spielt eine größere Rolle, dass er es heute endlich tut."
Gleich zu Beginn sorgt der Staatsanwalt für eine bemerkenswerte Aussage. Er selbst sei nicht davon überzeugt, dass es Mord gewesen sei.
"An dieser Stelle muss ich gleich zugeben, ich bin nicht der Überzeugung, dass es ein Mord war. Warum sollte der Angeklagte das machen? Das macht keinen Sinn. Ich glaube, er hat einfach den Seebereich nicht ausreichend beobachtet", wird dieser im ORF zitiert.
Besonders emotional wird es, als der überlebende Ehemann als Zeuge aussagt. Er habe vor der Kollision niemanden auf dem Motorboot gesehen. "Ob sich jemand dahinter noch verstecken kann, kann ich nicht beurteilen. Ich habe keine Personen gesehen. Ich habe ein leeres Schiff gesehen."
Als der Mann die Ereignisse rund um den Zusammenstoß schildern soll, stockt er. Der Richter bietet ihm an, seine Aussage stattdessen vorlesen zu lassen. Der Mann hält sich am Tisch fest, wischt sich Tränen aus dem Gesicht und nickt.
Die verlesene Aussage schildert auch die letzten Momente seiner Ehefrau und die Zeit nach dem Zusammenstoß. Schließlich musste ihm mitgeteilt werden, dass seine Frau die Kollision nicht überlebt hatte.
Am Ende der Befragung stellt der Privatbeteiligtenvertreter dem Angeklagten eine entscheidende Frage: Wenn er aufmerksam in Fahrtrichtung geschaut hätte – hätte er das Segelboot gesehen? Die Antwort des 26-Jährigen: "Ziemlich sicher."
Hätte er es gesehen, hätte er alles versucht, die Kollision zu verhindern, sagt er.
Für seine Verteidigerin ist die Sache klar: Sie geht von fahrlässiger Tötung aus. Ob die Geschworenen dieser Einschätzung folgen, entscheidet sich im weiteren Prozess.
Am Nachmittag des 11. August fiel schließlich das Urteil: Die Geschworenen sahen eine grob fahrlässige Tötung als erwiesen an. Der 26-Jährige wurde zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon acht Monate bedingt, sowie zu einer Geldstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.