Warum lebt man polyamourös? Wie ist es, trockener Alkoholiker, wie, stark übergewichtig zu sein? Und warum flüchtet man aus Eritrea? Solche Fragen beantworten sich viele Menschen lieber gleich selbst, als mit denen darüber zu sprechen, die so leben. Das führt zu Klischees und Vorurteilen. Sogenannte Living Librarys arbeiten dagegen an.
In Österreich werden solche seit einigen Jahren von der Initiative "Living Library" von Wien aus organisiert. Eine "Living Library"-Veranstaltung des Dachverband IDEE Austria findet am 5. Mai 2023, von 13.00 bis 17.00 Uhr im Billrothhaus in Wien statt.
Was es mit den "Bibliotheken der lebenden Bücher" auf sich hat.
Es handelt sich dabei um keine fixen Orte, sondern um öffentliche Veranstaltungen, bei denen man sich anstelle von Büchern Menschen ausleiht. Das heißt: Statt in fiktive Storys abzutauchen oder über andere zu lesen, lernt man die echten Lebensgeschichten von echten Menschen direkt von diesen kennen.
Mit ihrer Hilfe sollen Vorurteile abgebaut werden. Die ausleihende Person erhält ihre Informationen quasi an der Urquelle und kann die Fragen stellen, die sie wirklich interessieren. Dabei sind Fragen, wie "Warum trägt eine Frau Kopftuch?" nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Erlaubt ist jede auch persönliche und kritische Frage, so lange das Thema des "Buches" im Fokus steht. Allerdings müssen die "Bücher" nicht jede Frage beantworten, wenn sie sich dabei zum Beispiel unwohl fühlen oder es zu persönlich wird.
Das Angebot variiert von Event zu Event. In der Regel handelt es sich bei den "Büchern" immer um Menschen, denen gegenüber Vorurteile bestehen. Es sind Personen mit besonderen Biografien, die im Alltag oft mit Ablehnung, unterschwelliger Benachteiligung oder offener Diskriminierung konfrontiert sind oder stereotypisiert wahrgenommen werden.
Ganz ähnlich wie die Ausleihe in einer klassischen Bibliothek: Über die "Bücher" stehen für gewöhnlich Kurzbiografien zur Verfügung. Hat man sich für ein "Buch" entschieden, leiht man dieses aus. Vorausgesetzt, es ist noch frei. So wie in einer klassischen Bücherei. Doch anders als dort, nimmt man ein in einer Living Library ausgeliehenes Buch nicht mit nach Hause, sondern setzt sich mit ihm gemeinsam für einige Minuten an einen Tisch. Danach gibt man das "Buch" wieder zurück und es kann bei Interesse ein weiteres Buch ausgeliehen werden.