Die Corona-Zahlen steigen derzeit täglich und am Freitag wurden 11.095 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Für die Experten ist es offensichtlich: Österreich steht gerade erst vor einer Sommerwelle, ausgelöst durch BA.5, und ausgerechnet in dieser Zeit taucht eine ganz neue Variante auf.
In insgesamt acht Ländern wurden mittlerweile Fälle von BA.2.75 bestätigt. Es handelt sich um eine zweite Generation der BA.2-Variante, die Ende März in Europa die wohl schlimmste Corona-Welle seit Beginn der Pandemie ausgelöst hatte. Besondere Besorgnis drücken Fachleute derzeit über die gleich acht neuen Mutationen auf dem Spike-Protein von Centaurus an. Zum Vergleich: BA.5, ebenfalls mit der Omikron-Variante BA.2 verwandt, konnte "nur" drei zusätzliche Mutationen vorweisen. Was das zu bedeuten hat, darüber kann im Moment jedoch nur spekuliert werden.
"Ich mag die beobachteten Mutationen nicht. Bevor wir mit der BA.5-Welle fertig sind, müssen wir uns möglicherweise schon auf die nächste vorbereiten", warnte Molekularbiologe Ulrich Elling von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften dennoch auf Twitter.
Virologe Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien bleibt hier weit entspannter: "Der Sprössling hat zwar zusätzliche Mutation, allerdings hatten wir auch immer wieder Untervarianten, wie beispielsweise BA.3", so der Experte im "Heute"-Gespräch. Dennoch müsse man die neue Subvariante derzeit erst einmal im Auge behalten. "Das österreichische Monitoring funktioniert sehr gut, wenn die Variante auch bei uns auftauchen sollte, werden wir es wissen."
Die Wahrscheinlich, dass es soweit kommt, sei laut Nowotny aufgrund der Urlaubszeit und diverser Großveranstaltungen derzeit durchaus gegeben. Schließlich wäre die Variante auch schon in Deutschland aufgetaucht – unserem Nachbarland.
Neben der geringen Anzahl an Fällen, insgesamt 68 in Indien, Australien, Kanada, Deutschland, Japan, Neuseeland, Großbritannien und den USA, wisse man derzeit auch noch zu wenig über diese Variante. "Es gilt jetzt erst einmal zu schauen, wie es sich verhält und wie viel Schutz durch BA.2 noch geben ist." Alles noch kein Grund für Alarmstufe Rot, so der Virologe.