Gesundheit

Patient ist seit 480 Tagen Corona-positiv und infektiös

Innerhalb von drei Monaten kann man sich erneut mit einer SARS-CoV-2-Variante infizieren. Eine nie enden wollende Infektion ist hingegen ungewöhnlich.
Christine Scharfetter
20.04.2022, 16:14

Für gewöhnlich dauert es 15 bis 25 Tage, bis das Immunsystem das Coronavirus im Körper vollständig eliminiert. Nicht so bei einem stark immungeschwächten Patienten, der deshalb jetzt zur Fallstudie wurde. Seit rund 480 Tagen – also 16 Monaten – ist die Person nun schon Corona-positiv und musste deshalb mehrmals auf die Intensivstation.

Veröffentlicht wurde das Preprint des ungewöhnlichen Falls auf dem Dokumentenserver medRxiv. Darin gehen die Forscher nicht nur davon aus, dass es sich um die weltweit längste Infektion mit SARS-CoV-2 handelt, sondern fanden – banal gesagt – auch herausfinden, was das Virus so lange im Körper macht.

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Notaufnahme, Intensivstation, infektiös

Das Martyrium begann bereits im Herbst 2020. Nachdem der Patient über verstopfte Nasennebenhöhlen und Schmerzen beim Atmen klagte, fiel ein PCR-Test positiv aus. Kurz darauf kamen Fieber, Kurzatmigkeit und körperliche Müdigkeit hinzu. Symptome, die auch zwei Monate später noch nicht wieder verschwunden waren – ebenso der niedrige CT-Wert, der darauf hindeutet, dass der Betroffene durchgehend infektiös war.

Mit einer Lungenentzündung sowie Schäden in den Lungenbläschen kam der Patient dann erstmals in die Notaufnahme. Etwa vier Monate nach Erstdiagnose kam die Person dann sogar auf die Intensivstation, wo er künstlich beatmet werden musste – immer noch Covid-positiv.

Zahlreiche Therapien zeigten keine Wirkung. Auch 16 Monate nach der Erstdiagnose halten die Symptome immer noch an. Ebenso fällt der PCR-Test immer noch positiv aus, samt CT-Wert unter 27 – der Patient scheidet also nach 480 Tagen immer noch infektiöse Viren aus.

SARS-CoV-2 mutiert im Körper

Ein Fall, der den Forschern der Universität von Wisconsin jetzt mehr Aufschluss über das Virus seine Fähigkeit sich zu verändern brachte. "Während dieser Infektion blieb das Virus nicht stehen. Stattdessen entwickelte es sich innerhalb des Wirts weiter, 'lernte' seiner schwachen Immunabwehr auszuweichen und sich an einige der Therapien anzupassen, die der Patient erhielt. Dabei mutierte es genug, um weltweit mit SARS-CoV-2-Mutationen im Gleichschritt zu bleiben", berichtete Studienautor Nicholas Minor auf Twitter.

So konnten bei dem Patienten etwa vier Monate nach der Erstdiagnose 24 Mutationen zur Ursprungsvariante in Wuhan nachgewiesen werden. Diese Zahl erhöhte sich bis zum letzten Sequenzierungszeitpunkt auf 40 Mutationen. Einige der beobachteten Veränderungen verschwanden jedoch wieder, weil sie keinen Vorteil für das Virus hatten.

Etwa zehn Monate nach der Infektion tauchte eine Mutation am Spike-Protein auf, die noch nie zuvor beim Menschen dokumentiert wurde. Sie befindet sich am Spike-Protein und hat die Bezeichnung E484T. Mutationen an dieser Stelle zerstören Antikörper und ermöglichen es dem Virus, sich der Neutralisierung zu entziehen. Das könnte der Grund sein, weshalb manche der eingesetzten Therapien nicht erfolgreich anschlugen, schreiben die Forscher. Die Mutation verschwand aber wieder, ebenso wie andere beobachtete Veränderungen. "Nach unserem Wissen hat es keine Ausbreitung dieses hochentwickelten Virus vom Patienten an andere gegeben", erklärt Minor.