Science

Belegt! Personen mit diesem Merkmal haben immer Vorteil

Ein kostenloser Kaffee oder mehr Lohn – schöne Menschen genießen mehr Vorteile im Leben als weniger attraktive. Das steckt hinter dem Phänomen.
11.07.2023, 05:25
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Glänzendes Haar, volle Lippen, große AugenRachel McAdams ist das wahrgewordene Paradebeispiel für das Phänomen Pretty Privilege. Also aufgrund von Attraktivität Vorteile im Leben zu genießen. Eine Szene aus ihrem Film "The Hot Chick" geht jetzt viral.

Dazu berichten zahlreiche TikTok-User von Privilegien, die sie aufgrund ihres Aussehens genießen. Gibt es dieses Phänomen wirklich? 

Ein Leben lang Vorteile

"Es ist mehrfach belegt, dass attraktive Menschen in fast allen Aspekten des Lebens Vorteile haben", sagt Janek Lobmaier, Privatdozent am Institut für Psychologie der Universität Bern. Dies fange bereits im Säuglingsalter an und ziehe sich durch die Schulzeit wie auch das Berufsleben, so der Attraktivitäts-Experte.

Diese Ungerechtigkeit macht das Thema problematisch. "Unterrichtet eine Lehrperson ein besonders herziges Kind, denkt sie vielleicht, dass dieses intelligenter ist und fördert es stärker. Unter Umständen wird es dann erfolgreicher", sagt Lobmaier. In diesem Alter lege man den Grundstein und durch die spezielle Behandlung tendiere man auch zu einem selbstbewussteren Auftreten, so der Experte. "Es sind menschliche Züge, die dazu führen, dass attraktive Personen Vorteile im Leben haben."

Gegenteiliger Effekt

Auf die Arbeitswelt bezogen bedeutet das: "Wer ein attraktives Bild im CV hat, wird häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen", sagt Lobmaier. "Vielleicht besteht das Gefühl, die Person ist aufgrund ihrer Attraktivität besonders schlau. Das kann dazu führen, dass man ihr mehr Aufmerksamkeit schenkt."

Allerdings gibt es auch den gegenteiligen Effekt: "Hat man das Gefühl, eine Frau hat einen Job nur aufgrund ihrer Attraktivität, kann dies zu Mobbing führen", so Lobmaier. Der Attraktivitäts-Experte spricht hier absichtlich von Frauen: "Bei Männern ist das weniger der Fall. Interessanterweise spielt das Aussehen bei Männern oftmals eine weniger große Rolle."

Was ist Schönheit?

Aber wer gilt eigentlich als schön? "Schönheit kann man definieren, wie man will. In der Forschung sprechen wir von Attraktivität", sagt der Experte. Und dort ist man sich einig: "Egal, ob man 20 oder 20.000 Menschen befragt – legt man Bilder von Gesichtern vor und fragt nach der Attraktivität, würde eine Übereinstimmung stattfinden, weil wir ähnliche Vorstellungen haben", so Lobmaier. Etwa symmetrische Gesichtszüge, gesundheitliche Merkmale wie eine reine Haut oder geschlechtsspezifische Charakteristika.

Der Halo-Effekt

Schuld am Pretty Privilege ist der Halo-Effekt: "Fast alle Menschen urteilen im ersten Moment über eine Person – gewisse Aspekte werden dann von der Attraktivität überstrahlt, sodass automatisch das Gefühl entsteht, ein attraktiver Mensch ist auch besonders nett, intelligent und erfolgreich", sagt Lobmaier. "Wir nutzen offensichtliche Informationen, um uns einen ersten Eindruck zu formen – dies kann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung führen", so Lobmaier weiter. Also etwas, das vorhergesagt wird und das durch das bewusste oder unbewusste Handeln einer Person letztlich auch eintritt.

Und was kann man gegen Pretty Privilege tun? "Es ist wichtig, dass wir den Halo-Effekt kennen und über eine Person, die wir als attraktiv empfinden, nicht voreilig urteilen", sagt Lobmaier. "Macht man Menschen diese Bevorteilung bewusst, kann Aufklärungsarbeit sicher etwas nutzen."

Jetzt E-Paper lesen