Es sind Szenen, die an die achte biblische Plage erinnert, die Ägypten heimsuchte: Im Bundesstaat Nevada fressen derzeit keine Heuschrecken alles Grün, sondern Millionen von Mormonengrillen machen den Bewohnern das Leben schwer. Von einer regelrechten Insekteninvasion ist die Rede, die in Video-Aufnahmen verdeutlich wird.
Die flugunfähigen Tiere haben ganze Straßen und Häuser besetzt. Die Leute mussten sich den Weg zu ihren Häusern freischaufeln, berichten lokale Medien.
Besonders schlimm hat es Elko, eine Stadt im Nordosten Nevadas, getroffen. Selbst vor dem Northeastern Nevada Regional Hospital machten die Grillen nicht halt. "Um die Patienten ins Krankenhaus zu bringen, hatten wir Leute mit Laubbläsern und Besen, einmal hatten wir sogar einen Traktor mit einem Schneepflug darauf, nur um die Grillen aus dem Weg zu schieben", erklärte Sprecher Steve Burrows gegenüber dem Fernsehen.
Zusätzlich wurden Mitarbeiter abwechselnd zur "Grillenpatrouille" abberufen. Die Patientenversorgung sei aktuell aber in keiner Weise beeinträchtigt, verkündet das Spital via Facebook. "In unserer Einrichtung ist alles noch sicher und sauber." Wer Hilfe brauche, um vom Auto in das Krankenhaus zu kommen, solle anrufen. Auch auf eine Stellenausschreibung für die "Grillenpatrouille" wird aufmerksam gemacht.
Die im Westen Nordamerikas heimischen Grillenpopulationen schwanken über viele Jahre hinweg zyklisch. Über ihre aktuelle Rückkehr sind die knapp über 20.000 Einwohner der Mini-Metropole nicht sehr erfreut. Abgesehen davon, dass sie eklig seien und überall ihren Kot hinterlassen, wie sich ein Mann gegenüber den Medien beschwert, können sie laut der Universität von Nevada auch erhebliche Schäden am Ökosystem verursachen. Die große Anzahl der Tiere trage zu Bodenerosion, schlechter Wasserqualität und nährstoffarmen Böden bei.
Demnach können Mormonengrillen größer als fünf Zentimeter werden und fressen Stauden, Gräser, Sträucher und Feldfrüchte. Die Insekten, die in Weidegebieten westlich des Missouri River und in ganz Nevada vorkommen, reduzieren somit die Futtermenge für Weidetiere und das Vieh. Ist der Bauch noch nicht voll, fressen sie sich gegenseitig – egal, ob tot oder lebendig.