Auch die winterlichen Temperaturen und der Wiener Wind konnten ihnen nichts anhaben: Rund 30 Aktivisten, Interessierte und Passanten fanden sich am 30. Jänner Am Tabor (Ecke Rueppgasse, Leopoldstadt) ein.
Mit der Aktion, die unter dem Titel "Wer pflanzt uns?" veranstaltet wurde, möchte Links aufzeigen, wie die Straßen des Bezirks durch einfache Maßnahmen lebenswerter gestaltet werden können. "Wir holen uns den Raum zum Leben zurück. Sogar im Winter", heißt es. Zwei Stunden lang machten es sich die Teilnehmer auf Hängematten gemütlich, spielten Brettspiele oder nutzten die Zeit zum Plaudern. Jugendliche probierten sich an ihren Dribbel-Künsten während sich die Kinder beim Turmspringen austobten. Eine Tanzlehrerin gab spontan einen Crashkurs. Topfpflanzen sorgten für etwas Grün auf dem betonierten Weg, zum Wärmen gab es alkoholfreien Punsch. Auf die Corona-Maßnahmen wurde hingewiesen, Ausschreitungen gab es keine. Die Polizei war nicht vor Ort, da sich die Aktivitäten lediglich auf leere, bzw. für Autofahrer gesperrte Parkplätze beschränkten und es keinerlei Straßensperren bedurfte.
Trotz der wetterbedingt schwierigen Voraussetzungen zeigte sich Organisator Bernhard Hayden (Links) zufrieden: "Wir haben die Parkplätze, auf denen es nur Asphalt gibt, mit Leben gefüllt. Besonders waren die Gespräche mit den Anrainern, die sehr interessiert am Thema waren. Ein Herr war anfangs sehr unzufrieden mit dem Radweg. Wir haben uns dann in Ruhe darüber unterhalten und waren uns am Ende einig: Wenn man umgestaltet, dann muss man das auch gescheit zu Ende bringen", berichtet er.
Erst kürzlich sorgte ein ähnliches Ereignis Am Tabor für Aufsehen und gleichzeitig Rätselraten. Auf leeren Parklücken tauchten plötzlich Christbäume auf, die mit Asphalt befestigt waren. Hinter der Aktion vermutete man Umweltaktivisten, die damit ihren Unmut über den möglichen Umbau des Radweges kundtun wollten. Dieser Aktion wollte man sich nun anschließen, so Links.
Hintergrund der Protestaktionen ist ein Radweg, der bereits seit Längerem für Diskussionen im Bezirk sorgt. Zum Jahresende 2020 wurde Am Tabor zwischen Taborstraße und Nordbahnstraße die erste Protected Bike Lane Wiens errichtet. Dabei wurden Radweg und Fahrbahn durch Randsteine getrennt, wodurch das Radfahren sicherer gemacht werden soll. 80 Parkplätze mussten dafür weichen. Es handelte sich um das letzte Projekt der damaligen Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger (Grüne). Kritik kam von Seiten zahlreicher Anrainer, die wiederum von Lichteneggers Nachfolger Alexander Nikolai (SPÖ) unterstützt wurden. Er wolle "Parkplätze retten", hieß es damals.
Genau das will Links nun mit der Protestaktion verhindern. "Nicht mit uns", sagt Bernhard Hayden (Links) bestimmt. "Wir treten vor Ort in Kontakt mit den Anrainern und stellen unsere Ideen vor." Dabei wolle man auch darauf aufmerksam machen, dass die freigewordenen Flächen besser genutzt werden könnten. Links fordert den Erhalt des Radweges, aber gleichzeitig eine sinnvolle Nutzung der frei gewordenen Parkflächen. Sie wollen Grätzeloasen, Schanigärten oder Grünflächen. "Das geht schnell und kostet wenig", so Hayden. "Die Wiener haben verdient, dass die Straßen in ihrer Umgebung so lebenswert wie möglich gemacht werden." Auch sicherheitstechnisch wäre eine Umgestaltung der Parkflächen Haydens Meinung nach wichtig: "Es fahren immer wieder Autos einfach über den Radweg auf die Parkplätze. Das gefährdet Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen."
Bezirksvorsteher Nikolai kontert: "Damals wurde einfach gebaut, ohne irgendjemanden miteinzubeziehen. Es wurde nicht bedacht, dass Geschäfte, Unternehmen oder Vereine Zonen zum Halten und Parken benötigen." Der Bezirkschef bleibt dabei: Er möchte den Leopoldstädtern einen Teil der Parklplätze wieder zur Verfügung stellen, betont aber: "Der größte Teil des Radweges bleibt erhalten!" Dass die derzeit unbenützten Parkplätze nicht begrünt wurden, wurde noch vor seiner Amtszeit entschieden, stellt er klar. "Das betrifft meine Vorgängerin". Er selbst wolle nun Möglichkeiten zur Begrünung finden. Indes prüft das Magistrat bereits die Situation, wann die Parkplätze wieder offen sein werden ist aktuell noch unklar.