Die politische Woche begann am Montag um 10.30 Uhr mit einer Pressekonferenz des Wissenschaftsministers Heinz Faßmann (ÖVP). Er präsentierte die Ergebnisse der zweiten Corona-Dunkelzifferstudie gemeinsam mit der Virologin Elisabeth Puchhammer und Studienprojektleiterin Matea Paskvan.
Es wurde mit repräsentativen Stichprobenplänen auf das Vorhandensein des Coronavirus getestet. Zum Einsatz kamen PCR-Tests, die eine aktive Infektion feststellen. Man wollte also nicht die Antikörper und damit die mögliche Immunität gegen die Krankheit erfassen, sondern eine Einschätzung wagen, wie viele gerade infiziert sind und womöglich so leichte Krankheitsverläufe haben, dass sie es selbst gar nicht merken.
Obergrenze bei 11.000
1.432 Personen wurden vom 21. bis 24. April getestet, drei Wochen nach der ersten Studie. Davon wurde eine Person positiv auf das Coronavirus getestet. Das sind 0,05 Prozent, hochgerechnet auf Österreich wären das 3.400 Personen. Es kann zu Unschärfen wegen der geringen Fallzahl kommen. Die Statistik Austria legte die Obergrenze auf 11.000 Personen fest.
Jede 20. Person in Hotspot-Gemeinden hatte schon eine Infektion und weist nun Antikörper auf, sagt Faßmann. Die gesunkene Zahl der Neuinfektionen, die in den offiziellen Messungen aufscheint, ließe sich auch statistisch belegen. "Die Vorstellung einer leisen Immunisierung gegen Covid-19 in der Bevölkerung ist illusorisch", so der Minister. Eine zweite Welle sei möglich, sie könne nicht von einer Immunisierung gestoppt werden. Faßmann kündigt eine dritte Untersuchung in der zweiten Maihälfte an.
Die Stimmung in der Bevölkerung
Studienprojektleiterin Paskvan erklärt den Ablauf der Studie. Die Stichprobe beziehe sich nur auf Privathaushalte und Personen ab 16 Jahren, jene in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern seien nicht abgebildet. Die Menschen wurden auch nach ihrer Meinung zu den Maßnahmen der Regierung befragt. "Weit über 90 Prozent" seien zufrieden.
Allerdings würden nur knapp über 50 Prozent befürworten, dass man sich nur in Ausnahmefällen draußen aufhalten dürfe. Zwei Drittel der Personen mit Vorerkrankungen berichten über schlechte Stimmung. Die meisten Befragten fürchten eher den Jobverlust als eine Ansteckung mit dem Coronavirus.
Virologin Elisabeth Puchhammer betont, dass Österreich weit von einer "Herdenimmunität" entfernt ist. Das sei auch nicht angestrebt worden. Zudem sei es fraglich, ob es überhaupt eine stabile Immunität gebe, da man noch nicht wisse, wie lange die Antikörper im Blut bleiben. Auf lange Sicht werde Corona nicht verschwinden, sondern sich in die Reihe der Viren einreihen, mit denen die Menschheit seit Jahrhunderten lebt. Über die Zeit werde die Bevölkerung einen gewissen Schutz entwickeln.
Erste Studienergebnisse
Anfang April hatte der Minister die Ergebnisse einer ersten Studie veröffentlicht. Damals waren zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern zwischen 10.200 und 67.400 Personen in Österreich mit dem Coronavirus infiziert. Der wahrscheinlichste Wert lag demnach bei 28.500 Infizierten.
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