Lockdown-Angst! Öffnungen auf Messers Schneide

Bundeskanzler Sebastian Kurz.
Bundeskanzler Sebastian Kurz.
Tobias Steinmaurer, Florian Schroetter / EXPA / picturedesk.com; "Heute"-Montage
Am 22. März findet der nächste Corona-Gipfel statt und die Regierung bewertet mit Experten die Lage. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Uhr tickt! In zwei Tagen, also in exakt 48 Stunden, setzt sich die Regierung rund um Bundeskanzler Sebastian Kurz, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Co. erneut mit Expertinnen und Experten zusammen und legt die Karten auf den Tisch. Es geht bei dem Corona-Gipfel am 22. März einmal mehr um die aktuelle Corona-Situation in Österreich und um mögliche weitere Öffnungsschritte - oder Verschärfungen.

Erst am 15. März hatte man sich zu einem solchen Krisen-Gespräch mit den Fachleuten getroffen, die Landeshauptleute der neun Bundesländer waren virtuell zu den Beratungen zugeschaltet worden. Unmittelbar nach der Videokonferenz hatte FPÖ-Chef Norbert Hofer dann die Katze aus dem Sack gelassen und erklärt, dass alles in Richtung eines vierten Lockdowns im April laufe.

"Harter Lockdown ab Mitte April"

"Das aktuell lineare Wachstum kann nach Ansicht der Experten schnell exponentiell werden. In drei bis vier Wochen wird mit Fallzahlen von 6.000 täglichen Neuinfektionen gerechnet. Ich gehe aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit den Reaktionen der Bundesregierung auf ähnliche Zahlen und aufgrund der Wortmeldungen in der Konferenz von einem weiteren harten Lockdown ab Mitte April aus und warne gleichzeitig davor", so Hofer damals.

Und die Entwicklung der Corona-Zahlen in Österreich hat sich seit dem vergangenen Gipfel nicht wirklich verbessert. Ganz im Gegenteil! Die Zahl der Neuinfektionen spricht eine deutliche Sprache und lässt weitere Öffnungsschritte im Land in weite Ferne rücken. Alleine am gestrigen Freitag wurden österreichweit über 3.500 Fälle registriert - ein neuer Höchstwert im noch jungen Jahr 2021.

Corona-Zahlen steigen immer weiter

Neben den Corona-Fällen steigt dabei auch der Wert der 7-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, immer weiter an. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) liegt der Wert aktuell (Stand 19. März, 14.00 Uhr) bei 219,2.

Am höchsten ist der Wert dabei weiterhin in Salzburg, das sich mit großen Schritten einer 7-Tages-Inzidenz von 300 nähert. Aktuell liegt der Wert bei 294,9. Danach folgen Wien (276,9), Niederösterreich (245,3) und das Burgenland (237,4). Am niedrigsten ist die 7-Tages-Indizenz nach wie vor in Vorlarberg (59,4) und Tirol (164,6). Angesichts der steigenden Corona-Zahlen scheinen weitere Öffnungsschritte eher unwahrscheinlich.

Oder etwa doch? Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte noch am Mittwoch bei "Krone TV" erklärt, dass man in Österreich eine Situation habe, "die zu erwarten war". Die Zahlen würden wachsen, aber sie seien "nicht explodiert". "Wenn es uns gelingt, dass es kein explosionsartiges Wachstum gibt, dann können wir den Prozess weiter fortsetzen, wie wir das geplant haben", so der VP-Chef.

Kurz hofft, dass Öffnungen "möglich" sein werden

Kurz hoffe, dass Öffnungen "in weiten Regionen möglich sein" werden. Es gebe aber bei der Entwicklung der Zahlen regional sehr unterschiedliche Situationen. Das beweist auch ein Blick auf die 7-Tages-Indizidenz der Bundesländer. Im Westen ist diese um einiges niedriger, als etwa im Osten des Landes. In Wien, Niederösterreich oder auch dem Burgenland lässt vor allem die britische Mutation des Virus die Zahlen in die Höhe schießen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte angesichts der Corona-Explosion im Land am gestrigen Freitag bereits neue Corona-Maßnahmen durchsickern lassen. "In manchen Regionen haben wir eine Situation, die ich wirklich für bedenklich halte. Wir müssen alles tun, dass wir hier Triagen verhindern", so Anschober.

Regionale Maßnahmen?

Aufgrund der stark steigenden Zahlen müsse man laut dem Gesundheitsminister nun darauf reagieren. Wie die Verschärfungen genau aussehen, wollte Anschober nicht verraten. Diese würden beim Corona-Gipfel am 22. März im Detail mit den Experten besprochen, evaluiert und dann verkündet werden. Weitere Öffnungen, wie sie ursprünglich ab dem 27. März geplant gewesen wären (Anm. Öffnung der Schanigärten in ganz Österreich), scheinen also auf Messers Schneide zu liegen - zumindest für einige Bundesländer.

Zwei Tage hat die Bevölkerung jedenfalls jetzt noch Zeit, die Corona-Zahlen wieder etwas nach unten zu drücken. Die Bundesregierung und Experten werden nämlich auch die Neuinfektionen am Wochenende genau unter die Lupe nehmen und in ihre Bewertung miteinfließen lassen. 48 Stunden noch, der Countdown läuft!

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