Lockdown wegen einem Fall – Chinas harte Corona-Politik

Die meisten Menschen in Peking tragen die Maske auch im Freien.
Die meisten Menschen in Peking tragen die Maske auch im Freien.Ng Han Guan / AP / picturedesk.com
Die chinesische Regierung verfolgt eine strenge Null-Covid-Politik. Plötzliche Quarantänen führen dazu, dass ein Normalbetrieb kaum möglich ist.  

Seit Mitte Oktober gab es in China mehr als 800 Corona-Fälle – fast zehn Mal so viele wie Österreich am Dienstag verzeichnete. Angesichts der Größe des Landes sollten sich die Behörden eigentlich keine Sorgen machen müssen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Peking hat in puncto Corona eine absolute Null-Toleranz-Politik eingeführt.

Millionenstädte wegen einzelnen Fällen im Lockdown 

Vor zwei Wochen musste das Disneyland in Shanghai komplett geschlossen werden, nachdem ein Gast Corona-positiv war. 34.000 weitere Besucher durften das Parkgelände erst verlassen, als sie getestet und isoliert wurden.

Die Behörden Chinas haben bereits mehrere Großstädte abgeriegelt. Manchmal werden Flüge und Züge nach Peking aus Gebieten gestrichen, in denen nur ein einzelner aktiver Fall festgestellt wurde. Solcher Orte gibt es immer mehr, denn obwohl es nur wenige Infektionen gibt, sind sie in 19 der 31 Provinzen Chinas verstreut.

Regierung ruft zu Hamsterkäufen auf

In der Annahme, dass sich die Epidemie im Winter ausbreiten und es mehr Infektionen (und Einschränkungen) geben wird, forderte die chinesische Regierung die Bevölkerung auf, sich mit lebenswichtigen Produkten einzudecken.

Aber auch das ist manchmal nicht einfach. Ein Reporter des US-Radios NPR beschrieb die Situation in der Stadt Ruili an der Grenze zu Myanmar, wo es in diesem Jahr bereits drei Lockdowns gegeben hat. In dieser Zeit erfolgen nicht einmal Lieferungen von Online-Einkäufen. Die Bewohner haben Angst davor, weit weg von daheim zu einer plötzlichen Quarantäne aufgefordert zu werden und ziehen es daher vor, nachts zum Einkaufen zu gehen, wenn weniger Polizei auf den Straßen ist. Diejenigen, die nicht in der Lage sind, für einen zweiwöchigen Quarantäneaufenthalt in einem Hotel zu bezahlen, werden in Containern untergebracht.

Der Präsident Xi Jinping führt in China eine strenge Null-Covid-Politik.
Der Präsident Xi Jinping führt in China eine strenge Null-Covid-Politik.Andy Wong / AP / picturedesk.com

"Wir unterstützen die Regierung und ihre Politik, aber das bedeutet nicht, dass wir hungern müssen", klagt Li Jie, eine Bewohnerin von Ruili, die gerade ihre Quarantäne beendet hat. Li möchte dauerhaft in ihre Heimatstadt in der Provinz Liaoning umziehen, doch zunächst muss sie bürokratische Hürden überwinden: Zunächst muss sie die Erlaubnis erhalten, eine 7-tägige Hotelquarantäne zu absolvieren, um Ruili zu verlassen, und dann eine 14-tägige Quarantäne in Liaoning absitzen. Li fragt, woher sie das Geld dafür nehmen soll, wenn die Behörden den größten Teil des Jahres ein Arbeitsverbot verhängt haben.

Wer muss aller in Quarantäne?

Um in Quarantäne geschickt zu werden, muss man im Grunde nur ein Restaurant besuchen, in dem jemand mit einem positiven Testergebnis erwischt wurde. Dann werden nicht nur die anderen Gäste und das Personal isoliert, sondern alle, die an den nächsten Tagen dort waren. Die Identifizierung solcher Personen ist theoretisch kein Problem, denn um einen öffentlichen Ort zu betreten, muss man sich mit einem QR-Code identifizieren.

76 Prozent der Bevölkerung bereits geimpft – harte Linie bleibt trotzdem

In China sind 76 Prozent der Bevölkerung geimpft, was die Verbreitung der ansteckenden Delta-Variante jedoch nicht vollständig verhindert. Internationale Experten sind der Meinung, dass Corona als endemische Krankheit behandelt werden soll, und schlagen vor, die Null-Toleranz-Strategie aufzugeben. China hat jedoch nicht die Absicht, dies zu tun und bleibt bei der harten Linie. Außerdem befürworten die meisten Bürger trotz der Unannehmlichkeiten eine strenge Politik zur Verhinderung einer Pandemie.

Chinas Wirtschaft - und indirekt auch der Rest der Welt, der über globale Lieferketten mit ihr verbunden ist - zahlt dafür einen hohen Preis. Durch die Blockaden wird der Betrieb der chinesischen Häfen verlangsamt, was zu Verzögerungen beim Warentransport und zu Ausfallzeiten führt. Auch der Lkw-Verkehr wird eingeschränkt, damit die Fahrer das Virus nicht im ganzen Land verbreiten.

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