Kein Arzt für Kinder, weil Papa schwarz arbeiten muss

Eine Wiener Pizzeria soll ihren Koch heimlich schwarz arbeiten haben lassen. (Symbolbild, "Heute"-Montage)
Eine Wiener Pizzeria soll ihren Koch heimlich schwarz arbeiten haben lassen. (Symbolbild, "Heute"-Montage)privat / iStock
Eine Wiener Pizzeria meldete ihren Koch einfach nicht an. Deshalb wird nun seinen Kindern mit Behinderung die medizinische Behandlung verwehrt. 

Ein ehemaliger Angestellter erhebt schwere Vorwürfe gegen eine Pizzeria in Wien-Landstraße. Der 41-jährige gebürtige Syrer arbeitete dort als Pizzakoch und Barmann. Seit 2007 ist Baran (Name von der "Heute"-Redaktion geändert) in Wien, seit Jahren ist er immer wieder bei dem Restaurant tätig gewesen.

Er schildert unglaubliche Geschichten aus der Küche der Pizzeria: "Mein ehemaliger Arbeitgeber hinterzieht Steuern, wo es nur irgendwie geht. Wenn Kunden bar bezahlen, wird der Verkauf nicht im System verbucht. Mitarbeiter werden teilweise für weniger Stunden angemeldet, der Rest wird schwarz ausbezahlt."

Reha-Antrag für kranke Kinder abgelehnt

Weil er auf eigenen Beinen stehen möchte und kein Arbeitslosengeld will, ließ Baran sich Vieles von den Besitzern gefallen. Doch als laut ihm seine Kinder für die angeblichen Betrügereien der Restaurant-Betreiber draufzahlen mussten, konnte er nicht mehr wegschauen.

"Ich habe dort gekündigt, bin allerdings im Juni wieder zurückgegangen. Als ich im Juli einen Lohnzettel gefordert habe, musste ich feststellen, dass ich nicht angemeldet worden bin! Meine zwei Kinder haben beide eine schwere Behinderung, sie brauchen ärztliche Betreuung. Ich war aber nicht versichert. Also wurde der Antrag auf Reha abgelehnt", berichtet Baran im "Heute"-Talk. 

"Besitzer beleidigte Kinder wegen Behinderung"

"Als ich den damit Chef konfrontierte, gerieten wir in Streit. Er folgte mir zu meinem Auto und klopfte auf den Behindertenpass in der Windschutzscheibe. Er sagte zu mir: 'Schau, was Gott dir zur Strafe gegeben hat. Zwei behinderte Kinder.' Was für ein Mensch spricht so über eine 8-Jährige und einen 6-Jährigen?", erzählt der 41-Jährige betroffen.

Die Pizzeria weigerte sich, ihrem Ex-Mitarbeiter zu geben, was ihm eigentlich zusteht: "Der Bruder des Chefs hat mich bedroht. Sie sagten mir, sie würden viele Polizisten kennen und würden sich an mir rächen, indem sie dafür Sorgen, dass mein Antrag auf Staatsbürgerschaft abgelehnt wird."

Drei weitere Fälle aus dem Lokal bei Arbeiterkammer 

Baran nahm all seinen Mut zusammen und ging mit dem Fall zur Arbeiterkammer. Die Bilanz seines Arbeitsverhältnisses ist erschreckend: Jahrelang wurde dem Syrer weder Urlaubsgeld ausgezahlt, noch durfte er Urlaub nehmen und die Überstunden wurden ebenfalls unterschlagen.

Ein Sprecher der Arbeiterkammer berichtet gegenüber "Heute": "Wir empfehlen allen Arbeiternehmern stets, ihren Lohn nicht bar ausbezahlen zu lassen, Barzahlung ist die erste Tür zum Steuerbetrug." Die Pizzeria reagierte laut ihm bis jetzt nicht auf Schreiben der Arbeiterkammer. Barans Fall ist nicht der erste: Momentan liegen der AK drei ähnliche Fälle mit der Pizzeria vor. Einer davon musste gerichtlich gelöst werden, auch Barans Anliegen wird allen Anschein nach von Gericht gehen. 

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