Lokführer vor Gericht! ORF-Geiger starb bei Zugunglück

Der Angeklagte mit Verteidiger Mag. Andrej Mlecka
Der Angeklagte mit Verteidiger Mag. Andrej MleckaLenger Thomas
Im Mai 2022 war ein Zug der Raaber Bahn im Bezirk Mödling entgleist. Es gab drei Verletzte und einen Toten: Das Opfer war ein ORF-Geiger.

Gerichtliche Aufarbeitung der Zugtragödie von Münchendorf am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt: Am Abend des 9. Mai 2022 war ein Zug der Raaber Bahn (Ventus) auf der Pottendorfer Linie im Bezirk Mödling (NÖ) aus den Schienen gesprungen.

1 Toter, zahlreiche Verletzte

Die Lok samt direkt dahinterliegendem Wagon entgleiste und schlitterte rund 150 Meter die Böschung entlang. Ein Passagier (25) starb, drei Menschen (der Lokführer, eine 35-Jährige sowie ein 78-Jähriger) wurden schwer verletzt. Zudem gab es neun Leichtverletzte zu beklagen - mehr dazu hier.

Kurze Zeit später war es traurige Gewissheit: Bei dem tödlich verletzten Passagier handelte es sich um einen 25-jährigen Nachwuchsmusiker, der erst seit Februar 2022 beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien in der Gruppe der ersten Violinen spielte. Der Eisenstädter Guillen Navarro galt als begabter Geiger, war bei seinen Kollegen sehr beliebt.

Trauer um ORF-Geiger

Die Trauer bei Musiker- und ORF-Kollegen sowie vor allem bei Angehörigen war grenzenlos, die Ursache anfangs nicht glasklar, ein Gutachter musste seine Arbeit aufnehmen - mehr dazu hier.

Am heutigen Dienstag, knapp ein dreiviertel Jahr nach dem Drama und umfangreicher Ermittlungen, musste der Lokführer auf die Anklagebank am Landesgericht Wiener Neustadt.

145 statt 60 km/h

Der 52-jährige Ungar soll mit weit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein - nämlich mit Tempo 145 statt der erlaubten 60 km/h. Trotz einer Schnellbremsung konnte er eine Entgleisung nicht verhindern. 

Lokführer: "Nicht schuldig"

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Anwalt Andrej Mlecka spracht von einer menschlichen Tragödie, die seinem Mandanten sehr leid tue. Aber es greift zu kurz zu sagen, dass die Schuld bei ihm liegt“, meinte der Rechtsanwalt am Dienstagvormittag. Laut Anwalt habe eine technische Störung auf der Strecke vorgelegen und ein Sicherheitssystem habe gefehlt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer Missachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Das Urteil (nicht rechtskräftig): 6 Monate bedingte Haft für den Ungarn.

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