Ö-Klasse statt G-Klasse: Mitten in der Wiese bei der Kunsthalle am Wiener Karlsplatz steckt ein schlammbedeckter Mercedes-SUV im Gras fest. Tatsächlich handelt es sich um ein 1:1-Modell des Luxus-Offroaders, geschaffen von der Künstlerin Folke Köbberling. Die Skulptur entstand im Rahmen der Klima Biennale, die am Donnerstag (9.4.) beginnt. Die Künstlerin fertigte den Mercedes aus biologischen Materialien an – unter freiem Himmel beginnt der Mercedes langsam zu verrotten, wird wieder zu einem Stück Natur.
Der Mercedes G wurde ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt und wird mit seinen Offroad-Funktionen beworben. Köbberling hat die Form direkt vom Original abgenommen und mit einem eigens entwickelten biobasierten Verbundstoff umgesetzt.
Bereits zuvor hat die Künstlerin drei ähnliche kompostierbare SUVs gefertigt und deren Zerfall über ein Jahr hinweg beobachtet. Auch am Karlsplatz setzt nun der Verfallsprozess ein: Wind und Wetter lassen das Material langsam verrotten.
Im Inneren der Skulptur befinden sich ausschließlich natürliche Materialien wie Jute, Rohwolle, Zellulose, Lehm, Weizen, Erde und Holz. Sie bieten Tieren Unterschlupf und dienen Pflanzen als Nährboden. Auch Unterkonstruktion und Reifen bestehen aus Holz. Mit fortschreitendem Zerfall verbindet sich das Objekt zunehmend mit dem Erdreich, auf dem es steht.
Auch in Wien wird der Zerfall selbst Teil der künstlerischen Aussage. Die G-Klasse ist für den Verkehr gut sichtbar. Während Autos üblicherweise öffentlichen Raum beanspruchen, führt diese Skulptur die Verkehrslogik ins Gegenteil: Mit der Zeit löst sie sich vollständig auf. Aus dem Statussymbol wird ein Stück Natur.