Macht die Corona-Impfung unfruchtbar?

Behauptungen im Netz sorgen derzeit für große Verunsicherung bezüglich der Corona-Impfung.
Behauptungen im Netz sorgen derzeit für große Verunsicherung bezüglich der Corona-Impfung.Getty Images/iStockphoto
Seit einiger Zeit kursiert ein Gerücht in den sozialen Netzwerken, das vor allem jungen Frauen Sorgen bereitet. Wir haben zwei Experten befragt.

Die Impfungen gegen Covid-19 haben gerade erst begonnen und schon machen sich erste Gerüchte im Netz breit, die viele Menschen verunsichern. Vor allem junge Frauen schrecken aufgrund diverser Nachrichten vor der Impfung zurück. Der Grund: In den sozialen Netzwerken kursiert die Behauptung, der Impfstoff von BioNTech/Pfizer würde Frauen unfruchtbar machen.

Demnach enthalte er ein "Spike-Protein namens Syncytin-1", durch das das Immunsystem die eigene Plazenta angreift würde. Tatsächlich enthält der Impfstoff allerdings weder das Protein Syncytin-1 noch den mRNA-Bauplan dieses Proteins, das tatsächlich wichtig für die menschliche Plazenta ist.

Dennoch haben wir bei Gynäkologin Denise Tiringer, Gründerin und Leiterin des Instituts Santé Femme im 8. Wiener Gemeindebezirk, und den dort praktizierenden Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dr. Nikolaus Veit-Rubin, nachgefragt, ob die Sorge tatsächlich unbegründet ist und was die Impfung nun tatsächlich für einen Kinderwunsch bedeutet:

Dr. Nikolaus Veit-Rubin, macht die Corona-Impfung unfruchtbar?

Dr. Nikolaus Veit-Rubin: Bisher wurden in der EU durch die Europäische Zulassungsbehörde zwei Impfstoffe, jener von BioNTech/Pfizer und jener von Moderna zugelassen. Beide Impfstoffe wurden an vielen Tausend Teilnehmern in hochwertigen Studien erprobt. Es wurde kein Zusammenhang mit Infertilität festgestellt. Allerdings gibt es, wie bei nahezu allen Dingen im Leben, auch bei Arzneimitteln nie eine hundertprozentige Sicherheit und man wird abwarten, wie sich der Impfstoff in der Beobachtung der Geimpften in den nächsten Monaten und Jahren auswirken wird.

Dr. Nikolaus Veit-Rubin, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, im Wiener Institut Santé Femme
Dr. Nikolaus Veit-Rubin, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, im Wiener Institut Santé FemmeJolly Schwarz

Sollten sich Schwangere impfen lassen?

Dr. Denise Tiringer:Aufgrund der durchgeführten Studien zum jetzigen Zeitpunkt, kann keine definitive Aussage über die Sicherheit der Anwendung der Impfung während der Schwangerschaft sowie Stillzeit getroffen werden. Jedoch waren unter den Studienteilnehmerinnen vereinzelt Frauen, welche unwissentlich schwanger waren und hier gibt es derzeit keine bekannten negativen Auswirkungen. Der Impfstoff ist zum jetzigen Zeitpunkt somit noch nicht für schwangere und stillende Frauen zugelassen.

Wie lange sollte man nach der Impfung mit dem Kinderwunsch warten?

Dr. Denise Tiringer: Frauen mit aktuellem Kinderwunsch beziehungsweise Frauen in der Planungsphase einer Schwangerschaft ist die Impfung zu empfehlen. Es wird derzeit vorsichtshalber empfohlen die Impfung etwa ein Monat vor einer geplanten Schwangerschaft durchführen zu lassen. Sprich, die zweite Dosis sollte zu diesem Zeitpunkt schon verabreicht worden sein. Derzeitige Studienlage zeigt keinen Hinweis, dass die mRNA-COVID-19 Impfung eine negative Auswirkung auf die weibliche Fertilität haben könnte.

Gynäkologin Denise Tiringer, Gründerin und Leiterin des Instituts Santé Femme im 8. Wiener Gemeindebezirk
Gynäkologin Denise Tiringer, Gründerin und Leiterin des Instituts Santé Femme im 8. Wiener GemeindebezirkJolly Schwarz

Warum ist eine Corona-Erkrankung so gefährlich für Schwangere?

Dr. Nikolaus Veit-Rubin: Während der Schwangerschaft sind die Atemwege, das Kreislauf- und Immunsystem einer Frau besonders belastet. Es ist daher naheliegend, dass sich COVID-19 stärker manifestieren kann. Tatsächlich müssen schwangere COVID-19 Patientinnen häufiger auf die Intensivstation.

Können sich stillende Frauen impfen lassen?

Dr. Denise Tiringer: Die Impfung soll und kann stillenden Frauen empfohlen werden und stellt keinen Grund dar, die Stillzeit vorzeitig zu beenden. Durch die Impfung gebildete Antikörper gegen eine Infektion mit SARS-CoV2, welche durch die Muttermilch auf das Neugeborene übertragen werden, sind als potentiell schützend anzusehen. Es gibt momentan keine ausreichenden Daten, welche die Anwendung während der Stillzeit erlauben, es existieren jedoch keinerlei Hinweise für potentiell negative Auswirkungen.

Wie sieht es bei Männern aus? Sollten sich auch die Männer impfen lassen?

Dr. Nikolaus Veit-Rubin: Generell sollte sich jeder impfen lassen. Es gibt keinerlei Hinweise auf eine durch die COVID-19-Impfung ausgelöste Unfruchtbarkeit beim Mann.

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